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Faules Fisch – sind satirische Texte…

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Bin ich schon tot? oder Wo ist meine Hüfte?

Da bin ich wieder! Noch jedenfalls! Denn eigentlich bin ich schon tot! Oder fast! Vielleicht morgen! Ich schreibe diesen Artikel schweißgebadet – in Todesangst! Ach, hätte ich doch nur so gelebt, wie ich es in meiner Vorstellung geschrieben habe. Aber es war nur eine Vorstellung! Die bittere Wahrheit quetscht sich gerade zwischen Rückgrat und Tischkante. Ich bin zu dick! Ich habe es in der Zeitung gelesen! Natürlich, es ist Januar! Wir sind alle zu dick. Und dann machen die Zeitungen mit „Denken Sie sich schlank!“, „Schlemmen Sie sich schlank!“, „Blitzdiät, schon morgen sind Sie Miss Stralsund“ auf! Ich wollte nie Miss Stralsund werden, darum habe ich immer dankend abgelehnt. Doch jetzt bin auch ich aus meiner Lethargie aufgerüttelt worden. An der Spitze der Fettskala stehen die Ostdeutschen – so jedenfalls das Ergebnis einer repräsentative Studie des Männer-Lifestyle-Magazins „Men’s Health“. Im Auftrage dieses renommierten Blattes hat das Stuttgarter Institut für rationelle Psychologie 19.786 Männer und Frauen zwischen 18 und 79 Jahren in allen Bundesländern und den 38 größten Städten untersucht. Erstmals wurde dabei auch der Bauchumfang gemessen – der nach Meinung von Experten aussagekräftiger ist als der bisher gültige Body-Mass-Index (BMI). Danach schneiden die Thüringer zwar am schlechtesten ab, aber dann kommen gleich die MV-ler. Während der durchschnittliche männliche Bauchumfang (der weibliche sollte uns jetzt nicht interessieren) in Thüringen 98,72 cm beträgt, liegt er in MV bei 98,10 cm. Als fetteste Stadt Deutschlands beleibt sich Rostock mit einem Bauchumfang von 97,03 cm. Da kann ich als Stralsunder nur lachen, zumal das nette Institut in zwei anderen Umfragen die Rostocker als Feiglinge (Platz 48 unter 50 Städten) und Dummköpfe (Platz 40 von 50) brandmarkt. Doch das Lachen ist mir vergangen, nachdem ich die Zahl vom Bandmaß um meinen Bauch ablas: 103! Atemnot stellte gleich darauf bei mir ein. Denn im Artikel in „Mann’s Gesundheit“ wurde klargestellt: Ab 102 cm Bauchumfang ist ein lebensgefährliches Stadium erreicht! Dabei laufe ich ständig um den Moorteich, beteiligen mich an Marathons (21 schon), fahre viel Rad (zum Nordkap und so), rauche nicht, esse nur einmal im Jahr Eisbein (nach einem Marathon) und gehe mit meiner Frau zu liebe auch alle zwei Jahre spazieren! Und nun das! Schnell ins Internet gegoogelt! Ein Aufschrei geht durch die Läufergemeinde! Alle zu fett! Alle schon tot! Im Spiegel-Online erklärt Henner Ertel, Professor für Neuropsychologie, dass der BMI – also der Body-Mass-Index, nicht ideal für die Messung des Gesundheitszustands wäre. Er schlägt stattdessen den Körperfett-Verteilungsmuster-Index (KVI) vor. Er wird aus dem Quadrat des Bauchumfangs berechnet, das durch den Hüftumfang geteilt wird (alle Werte in Zentimeter). Bei KVI-Werten kleiner als 75 (Männer) beziehungsweise kleiner als 60 (Frauen) spricht Ertel von einem idealen Fett-Verteilungsmuster. Im Bereich 75 bis 85 (Männer) beziehungsweise 60 bis 75 (Frauen) gebe es bereits eine „signifikante gesundheitliche Gefährdung“, etwa für Herz- und Kreislauferkrankungen. Bei KVI-Werten darüber hinaus bestünde eine „sehr hohe gesundheitliche Gefährdung“. Das ist die Rettung, denke ich mir und greife erneut zum Maßband (schnell noch meine Frau gefragt, wo denn meine Hüfte ist), rechne und – Der KVI besitze „hochsignifikative“ Korrelationen zu Krankheitsrisiken – lese ich noch – bin schon wieder tot. 103 beträgt mein KVI!! Ich weiß nicht mehr ein noch aus. Ein Berliner Mediziner erklärt in dem Artikel, warum die Männer auf dem Lande dicker sind, als in der Stadt: als Singles achten die meisten Männer mehr auf ihr Äußeres (aha, meine Frau ist schuld) und durch den Parkplatzmangel in den großen Städten würden die Männer mehr zu Fuß gehen. Ach so. Ich habe einen Parkplatz gleich in der Nähe meiner Wohnung. Ich bin verloren! Doch dann lese ich die nächste, wahrscheinlich lebensrettende Notiz über eine Studie: Forscher der Uni Cambridge haben herausgefunden, dass man 14 Jahre länger leben kann, wenn man nur vier einfache Regeln in seiner Lebensweise befolgt (Sport treiben, nicht rauchen, wenig trinken, Obst und Gemüse essen) und das unabhängig von der sozialen Schicht und (jetzt kommt’s) vom Körpergewicht! Ich bin beruhigt. Lächle. Das ist ja einfach!
Also gehe ich morgen wieder um den Moorteich laufen. Seit Anfang Januar kommt mir da immer ein kleiner dicker Mann im Trilobal-Trainingsanzug entgegen – „Dead man running“ denke ich da nur…

PS: Rufen Sie doch die Online-Ausgabe von „Men´s Health auf“: „Hier anklicken und abspecken“ steht da in großen Lettern!