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Faules Fisch – sind satirische Texte…

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Ich stelle mich vor!

Ein neues Jahr hat angefangen. Ich auch. Damit Sie wissen, mit wem Sie es zu tun haben, möchte ich Ihnen einen kleinen Einblick in meinen Alltag geben: Jeden Morgen stehe ich um 4.30 Uhr auf. Nach einer kalten Dusche setze ich mich inmitten des Wohnzimmers auf den Teppich, schalte sphärische Musik ein und stimme mich im Lotus-Sitz auf den Tag ein. Eine Stunde lang. Dann mache ich meiner Familie und mir Frühstück. Ich nehme eine Schale Müsli und einen Kräutertee zu mir. Um 7 Uhr spreche ich mit meinem kleinen Sohn über seinen Tag und gebe ihm ein fröhliches „carpe diem“ mit auf den Weg. Meiner Frau lege ich noch die selbstgebügelte Bluse raus, umarme sie noch einmal, bevor wir beide sagen: „Das Leben ist schön!“ Dann mache auch ich mich auf den Weg zur Arbeit. Um 9 Uhr habe ich meinen ersten Termin. Drei weitere folgen im Stundentakt. Gegen 13 Uhr Brotzeit. Ich öffne meine Stullendose und entnehme einen Apfel und ein Knäckebrot. Das Mittagessen wird komplettiert mit einem Schluck stillen Mineralwasser. Nach 15 Minuten schreibe ich die Artikel zu den Rechercheterminen vom Vormittag. Gegen 15 Uhr besuche ich mein Fitness-Studio. Punkt 16.30 Uhr fahre ich nach Hause. Nach einer Stunde bin ich bei meinen Lieben angekommen. Mit meinem großen Sohn sitze ich noch ein wenig Wohnzimmer. Wir reden über die neuesten Erkenntnisse in der Archimedes-Forschung, sprechen uns gegen Gen-Food, Gen-Manipulation und wahlweise gegen das Bombodrom in Brandenburg aus. Dann lädt meine Frau mich kurz vor halb sieben zur Hausmusik ein. Darauf folgt eine halbe Stunde Abendbrot. Bei einer Vollkornstulle mit Quark und Hagebuttentee plaudert es sich nett mit meiner Familie. Nach dem Abwasch erledige noch einige Dinge im Haushalt, während meine Frau mit den Söhnen Schach spielt. Alle zwei Tage tue ich das. Dann hat meine Frau Abwaschdienst und Zeit für die Wäsche. Wenn ich früher als meine Frau mit den Jungs fertig bin, rufe ich noch gute Bekannte an und snacke fröhlich mit ihnen. Gegen 20.30 Uhr sitze ich mit meiner Liebsten im Wohnzimmer und höre Musik. Kurz nach Neun lese ich etwas. Ein wenig Bildung muss sein und so gehören Biografien großer Persönlichkeiten wie selbstverständlich zu meiner Lektüre. Hin und wieder muss es auch ein Buch über deutsche und internationale Geschichte sein. Kunst und Kultur kommt bei mir auch nicht zu kurz. Um 22 Uhr ist dann wieder Zeit zur Meditation. Um 22.30 Uhr kuschele ich mich ins warme Bett. Ich muss nicht betonen, dass Nikotin, Alkohol und der Fernseher in meinem Leben keine Rolle spielen. Ich konzentriere mich eben auf die wichtigen Dinge. Ich denke, ich habe meine guten Vorsätze für das neue Jahr toll umgesetzt. Ich fühle mich wohl. Warum mich alle anderen nur so verstört ansehen?