5000 km Mekong

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5000 km Mekong

 Das Publikum spendete minutenlang Beifall. Ergriffene Gesichter überall am Dienstagnachmittag, dem 28. Mai 2013,  in der Multimediahalle in Zingst. Und Moderator Christian Schulze bedankte sich bei Andreas Pröve: „Sie sind ein aufmunternder Gemüsefeingeist!“ Der Saal lacht aus vollstem Herzen. Auch nach den 90 Minuten, in denen der Buchautor und Weltreisende Andreas Pröve das Publikum in seinen Bann zog, wechselte die Stimmung von Ergriffenheit über Staunen bis zur ausgelassenen Heiterkeit. Der Vortrag von Andreas Pröve, der Rollstuhlfahrer, der die Quelle des Mekong nach einer 5000 km langen Reise von der vietnamesischen Mündung aus erreichte, war ein Highlight des Fotofestivals „horizonte“ in Zingst.

 

Das Publikum kam aus dem Staunen kaum heraus: Da sitzt der Abenteurer, der vor 32 Jahren nach einem Motorradunfall querschnittsgelähmt wurde, auf einem kleinen Podest auf seinem Rollstuhl und hält plötzlich beide Räder in die Luft. Da begrüßt sein langjährige Freund und Reisebegleiter Nagender Chikara per Videobotschaft aus Dehli das Publikum in Zingst, um dann wenige Sekunden später leibhaftig neben Andreas Pröve ins Publikum zu lächeln.

 

1981, schon an den Rollstuhl gefesselt, brach der Niedersachse nach Indien auf. „Schaffst Du es dort, schaffst du es überall“, war seine Devise. Seit 1998 steht ihm der indische Fotograf  Nagender Chikara bei seinen Reisen zur Seite. Vor zwei Jahren nun also von Vietnam nach Tibet zur Quelle des Mekong. Was für ein Abenteuer! Was für ein Abenteuer – mag man denken, wenn man schon in der Hoh Chi Minh Stadt die Straße überqueren will. Den Zuschauern stockte der Atem, als Andreas Pröve mit seinem Rollstuhl loslegte. Es ging los über Kambodscha. Pröve besuchte die Tempelanlage Angkor Wat, probierte Vogelspinnen zu essen, wartete eine Woche im Nebel von Yunnan auf einen Ausblick auf die berühmten Terrassen und lernte in China eine junge Frau kennen, deren Name übersetzt „Nebel in den Bergen“ bedeutet. Als sie sich verabschiedeten und Andreas Pröve ihr eine Visitenkarte von sich übergab, lachte das Mädchen über die chinesische Übersetzung von „Buchautor“. Der Google-Übersetzungsdienst hatte aus Buchautor „Gemüsefeingeist“ gemacht. Der Humor kam nicht zu kurz. Immer wieder zeigte Pröve erstaunliche Bilder, die zum Lachen anregten.

 

Andreas Pröves Art auf die Menschen zuzugehen und Probleme zu überwinden ist beeindruckend. In Tibet übernachtete er eine Nacht im Schneematsch. Kurz vor dem Ziel wurde er von seinen Trägern auf zwei Zeltstangen getragen – tagelang, bis es nicht mehr ging. Egal, auch wenn nur noch wenige hundert Meter fehlten: das Ziel war erreicht. Andreas Pröve erlebte das Glücksgefühl, das er gesucht hatte. „Ich habe meine Quelle erreicht“, sagte er lächelnd zu seinen ergriffenen Zuschauern.

 

Norbert Rosing, selbst Fotograf und Weltreisender, ordnete den Vortrag als einer der besten ein, die er je gesehen hat – und das von einem „Gemüsefeingeist“ im Rollstuhl.