Alles oder nichts

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Alles oder nichts

Alle waren erleichtert: Das Wetter hat gehalten. Das Gute hat gesiegt. Die Zuschauer feierten die Premiere des Open-Air-Spektakels „Die vier Musketiere – alles oder nichts“ im Barther Theatergarten mit Wunderkerzen. Die Schauspieler waren glücklich, von den Machern des Stücks von Regisseur Martin Schneider bis Ellen Henning (Choreografie) viel eine Last ab. Glücklich winkten sie mit ihren Blumensträußen ins applaudierende Publikum. Feuerwerk! Geschafft!

Die Aufführung am Sonnabendabend war der gelungene Auftakt für insgesamt 27 Vorstellungen des dritten „Musketier-Teils“ aus der Feder von Martin Schneider (in lockerer Absprache mit Alexandre Dumas). Bis zum 2. September immer montags, mittwochs, donnerstags und sonnabends wird die liebe „Lily“ (Ronja Krüger/Mathilda Klein) den Auftakt für ein spannendes, lustiges und actionreiches Spektakel geben, das 15 Darsteller der Zinnowitzer Schauspielakademie gemeinsam mit den Barther Laienensemble dem staunenden Publikum darbieten werden.

Frankreich im 17. Jahrhundert. Die französische Königin gebar einen Sohn, Kardinal Richelieu (Helga Wienhöfer) weiß um das Geheimnis der Vaterschaft des Thronfolgers und erpresst damit die Königin Anna (Katharina Mahnke). Die Musketier-Garde ist aufgelöst. Doch in den Katakomben von Paris bereitet sich eine dunkle Macht auf den Umsturz vor und Graf Rochefort wird aus dem Verließ befreit. Irgendetwas geht da vor. Die vier Musketiere haben bis auf D’ Artagnan (Sebastian Hildebrand) ihren Dienst quittiert und sollen nun auf Anweisung von Richelieu wieder aktiviert werden. Wofür? Man weiß es zunächst nicht genau. Und auch die vier Musketiere werden sich erst nach eine Schlägerei untereinander einig. Doch da hat die dunkle Macht in Person vom undurchsichtigen Noir (Wolf-Aaron Thalmann) schon zugeschlagen. Martin Schneider inszenierte ein Spiel mit viel Abwechslung zwischen Dialogen, Kampfszenen (Ray Kupper auch Rochefort), Tanzeinlagen (Ellen Henning), Knalleffekten und Schenkelklopfer-Szenen (immer wieder Rieke Clasen als Planchet, auch Porthos/Jan Lehmann als Unterwäsche bügelnder Musketier oder Gabriele Ulbricht als resolute Wirtin). Bezüge zur Gegenwart: natürlich Frankreich! Und Zitate wie: „Wir wollen eine Alternative für Frankreich sein“ und „Nicht jeder Alternative ist eine sinnvolle“. Wie schwierig es ist, mit Sprüchen Lösungen zu bieten, zeigte Porthos: „Feuer muss man mit Feuer bekämpfen“. Glücklicherweise schob der aus einer Kanone schießende Musketier noch ein: „Hasta la vista, Baby“ hinterher und zog mit dem Schwarzenegger-Spruch eine augenzwinkernde Ebene ein.

Die Schauspieler agierten mit sehr viel Spaß und Spiellaune. Sebastian Hildebrand stellte seine Rolle trotz Schleimbeutelentzündung und Armschlinge überzeugend dar. Seine Kumpanen Athos (Erik Gätjen/mit Plateau-Sohlen), Aramis (Felix Caspar Krause/mit dem schönsten Solo-Tanz) und Porthos (Jan Lehmann/bügelnder Musketenschütze) wirkten authentisch. Helga Wienhöfer und Ray Kupper gehören schon zum bösen Inventar des Stückes. Neu-Fiesling Noir brachte eine verstörende Ambivalenz ins Spiel. Königin Anna muss im Stück so einiges über sich ergehen lassen (Liebe Kinder, alles nur Theater!). Abonniert auf die beste Nebenrolle seit drei Jahren: Rieke Clasen als Tollpatsch Planchet (wieder mit Liegestuhl-Gag)! Überraschung des Abends dürfte wohl Antje Möller als Mourchard (Spitzel) sein, die in ihrer schleichenden Schleimigkeit sehr an Wurmschwanz Peter Pettigrew aus dem Harry-Potter-Universum erinnerte.

„Ich erfreue mich immer wieder an die großartigen Schauspielern, ihrer Spielfreude und Vielseitigkeit. Mir hat der Kurzauftritt von der Ehefrau von Porthos sehr gut gefallen“, sagte Annegret Baum aus Delitzsch. Helga und Uwe Goldmann aus Neuendorf Heide waren mit ihren drei Enkeln gekommen. „Wir sind jedes Jahr da. Sehr viel Action. Sehr schön. Planchet ist köstlich“, sagte Helga Goldmann.

Ein Abend im Barther Theatergarten ist also dringend zu empfehlen, zumal es, bevor alles gut wird, noch eine überraschende Wendung gibt. Das Böse geht aber unter, was vom Publikum hörbar erleichtert für gut befunden wird.

Frank Burger