André Bonitz

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André Bonitz

Ravenhorst. Von Löbnitz oder Ribnitz-Damgarten kommend, muss man am Ravenhorster Kreuz nach Richtenberg abbiegen, um dann gleich rechts nach Bad Sülze weiter zu fahren. Nach zwei Kilometern ist Ravenhorst erreicht. Wer das Ortseingangsschild verpasst hat, wird am Kopfsteinpflaster spüren wo er ist. Doch aufgepasst! Es ist nicht mehr weit! Gleich rechts das Schild mit der Hinweis: „Unikate“. Hier hat die Textilgestalterin Asta Rutzke ihr Atelier. Kein Hinweis auf den internationalen Künstler, der von diesem verlassenen Ort seine weltweiten Auftritte startet. Der ehemalige Gutshof erhält eine neue Pflasterung. Eine Katze streicht winselnd durch den nasskalten grauen Tag. Da erfreut den Besucher schon die farbige Werbung am parkenden Auto. Es geht um Pyrotechnik, um Feuerwerk in roten und gelben Flammen. Hier also wohnt „Nibrennbar“ oder wie sich André Bonitz auch nennt „Mr. Soulfire“. Der 37-jährige Ravenhorster wohnt seit 1994 im jetzigen Eixener Ortsteil. In der Region ist er bekannt als Organisator des Klosterfestes in Ribnitz-Damgarten, mit seiner Agentur „FUNtastische Welten“ organisierte der in Schlema geborene Bonitz zwei Jahre lang das Hafenfest in Prerow, seit 2003 ist er für die kulturelle Umrahmung des Dahlienfestes in Bad Sülze verantwortlich. In Stralsund ist er bei den Wallensteintagen dabei. Die Ravenhorster Gutshof- und die Woodhorst-Festivals sind legendär – aber Vergangenheit. In den vergangenen 13 Jahren hat sich viel getan. Angefangen hatte er als Hobby-Jongleur und -Feuerschlucker. Die historischen Spektakel waren sein Ding. Gemeinsam mit anderen Künstlern zog er von einem Mittelalterspektakel zum nächsten. Bonitz organisierte Rockfestivals und „FUNtastische Weltreisen“. Buchen konnte man den eher schmächtigen Mann mit dem freundlichen Blick und den wachen Augen als Solonummer mit seiner Soulfire-Feuershow, als Duo mit Partnerin oder in der großen Variante mit einer Companie. Dabei baute er seine Feuershow mit Fakireinlagen immer mehr aus, verbesserte sie, wurde mehr und mehr als Solonummer gebucht. Seit 2002 kann Bonitz auf internationale Auftritte verweisen: Schweiz, Österreich, Südafrika, Dubai. Höhepunkt dann die Tournee „Flames of the Dance“ 2004 durch England. Mit einem Schmunzeln bemerkt der Künstler, dass er erst danach im Ribnitz-Damgartener Kulturhaus aufgetreten ist: zur Herbstrevue 2005.

Und was ist aktuell? Da war 2006 zum Beispiel eine Bühnenshow mit Jugendlichen in Prora und natürlich Dorf- und Stadtfeste. Sehr schön fand er auch die Weihnachtsrevue in Halle/Saale. „Alles ist in Bewegung. Nichts bleibt so wie es ist. Die historischen Events sind in den Hintergrund getreten. Ich bin mit den Feuershows gut beschäftigt. Dreimal die Woche bin ich durchschnittlich gebucht. Auch jetzt in der scheinbar ruhigeren Zeit.“ Bonitz schlägt sein Terminkalender auf: „Stralsund, Potsdam, Linstow…“ Warum denn nun Pyrotechnik und Feuerwerke? „Ich bin mit Feuer und Artistik unterwegs. Da kommen schon mal Anfragen nach Feuerwerken. Außerdem habe ich durch die Bühnenpyrotechnik meine Show verbessert“, begründet der Ravenhorster sein neues Engagement auf diesem Gebiet. Die Ausbildung zum Bühnen-Pyrotechniker und Großfeuerwerker absolvierte Andre Bonitz in den vergangenen beiden Jahren. Somit hat er sein Angebotsspektrum wiederum erweitert. „Hiesige Veranstalter können jetzt meine Angebote mit ihren bisherigen vergleichen. Man kann ja das Geld ‚im Dorf’ lassen. Warum müssen Künstler lange Wege fahren und sich praktisch auf der Autobahn begegnen?“, argumentiert er. Bonitz selbst kooperiert mit einem Feuerwerker aus Lübeck. Bei regionalen Events werden die Aufträge an den jeweiligen Künstler vor Ort weiter gereicht.

Das Telefon klingelt. Die Katze hat sich inzwischen ins Haus geschmuggelt. Es ist auch zu ungemütlich draußen. Jetzt schnurrt sie auf dem Schoß des Besuchers. An der Wand blickt das Augenpaar eines Tuareg überlebensgroß in die von Bonitz selbst ausgebaute Wohnung. Der Kaffee aus den getöpferten Tassen ist fast ausgetrunken und draußen wabert das nasskalte Wetter weiter durch die Landschaft Nordvorpommerns. „Ich schicke ihnen den Vertrag zu. Auf Wiederhören.“ Bonitz beendet das Telefongespräch. „Das war die Branddirektion Leipzig. Sie hat gleich die Companie für eine Feuershow gebucht“, freut er sich, schüttelt den Kopf und lacht. „Die Branddirektion Leipzig.“ Passt das? Bonitz schaut in seinen Kalender. Neben den jährlich wiederkehrenden Events kommt als Höhepunkt ein Auftritt in Oman, im Juni ein Auftritt in Bad Sülze, eventuell auch einer im Ostseebad Wustrow. „Das passt. Da ist man eben mehrere Tage auf der Straße. Ich hatte da zum Beispiel im vorigen Jahr eine Tour. Altenpleen – Halle/Saale – Herne im Ruhrpott“, sagt er und zuckt lächelnd mit den Schultern. Und was bleibt für Ravenhorst? „Ich würde schon gerne mal viele Dinge tun, zu denen ich so nicht komme. Jetzt zum Beispiel bereite ich Feuerwerke vor und bastle an Requisiten. Termine müssen koordiniert und Verträge geschlossen werden. Und außerdem bin ich noch in der Gemeindevertretung Eixen.“ Bonitz engagiert sich im Ausschuss Kultur/Jugend/Tourismus. Die neue Pflasterung auf dem Gutshof hat einen ganz speziellen Hintergrund: hier soll ein Pavillon für Jugendliche gebaut werden, der in offener und geschlossener Variante gefahren werden kann. Projekt Begegnungsstätte. Das sind kleine Schritte, gibt Bonitz zu, so wie das Eixener Seefest im vorigen Jahr. Das allen gut gefallen hat. Kleine Schritte sind notwendig, meint er, er wolle ja hier in Ravenhorst zukünftig nicht alleine wohnen.