Annette Glaschick

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Annette Glaschick

„Was machen Sie? Nichts. Ich lasse das Leben auf mich regnen“, steht auf einem Bild, das eine Frau mit Regenschirm am Meer zeigt. Es hängt in einem Wohnzimmer in Born. Das Wohnzimmer von Annette Glaschick. Die Frau, die das Bild aufgehängt hat, macht nicht „nichts“, sie lässt nicht das „Leben auf sich regnen“. Annette Glaschick sagt über ihr Leben: „Ich habe so viel wie möglich gemacht.“ Dabei ist sie erst 43 Jahre alt. Ihre Augen leuchten und sie hat immer einen Gesichtsausdruck, als ob sie gerade eine Idee hat. Hat sie wirklich fast immer. Sonst würde sie jetzt nicht in Born an der Ostsee wohnen und sonst wäre sie nicht Puppenspielerin. „Ich liebe die Ostsee“, sagt sie und „Ich kann mit Kindern gut umgehen“. Was liegt näher, als ein Kinderprogramm zum Meer zu machen. Es sieht so aus, als ob Annette Glaschick, die mit ihrem jetzt fünf Jahre alten Sohn und ihrer Mutter 2006 in Born „aufgeschlagen“ ist, sich nun gefunden hat. Wer hätte das von der gebürtigen Cottbuserin vermutet, die einst eine Spitzensprinterin in der DDR war? Die Natur habe sie schon immer geliebt, darum wollte sie auch Gartenbau studieren. Agraringenieurin ist sie geworden. Nach der Wende treibt sie die Liebe zu einem Mann nach Würzburg. Dort arbeitet sie in der Bundesanstalt für landwirtschaftliche Marktordung als Außenprüferin für Fördermittel. Annette Glaschick und die bayerischen Bauern. Da schien sie ganz fern von sich zu sein. In solch einem Moment (der Mann war schon Geschichte) reicht ein Leuchtturmbild in einer Zeitschrift mit beigestellter Frage: „Möchten sie gerne einmal ein Praktikum in einem Nationalpark machen?“ „Ja ich wollte!“ Annette Glaschick zieht von der Alm in einen Wohnwagen an die Nordsee. Also Nordsee! Sie erlebt das Meer, beginnt zu fotografieren, hält schon nach kurzer Zeit Diavorträge im Nationalparkhaus. Der Umgang mit den Kindern macht ihr Spaß. Spielerisch Wissen vermitteln – das ist es! Die ehemalige Agraringenieurin nimmt Seminare zur Umweltpädagogik.Annette Glaschick fährt zur großen Form auf. Sie führt umweltkundliche Reisen, fährt mit Urlaubern Kutter, unternimmt Wattwanderungen und spielt nebenbei Theater.

„Es lief wunderbar“, sagt sie rückblickend. Und zack macht sie sich selbstständig. Am 1. Mai 1999 beginnt ihr neues Leben. Das „Wattwunder – Watterlebnis und Musiktheater“ war geboren. Eine nebenberufliche Ausbildung zur Theaterpädagogin ist jetzt nur logisch. Und logischerweise lernt sie einen Musikkabarettisten kennen, der seine Fähigkeiten mit ihren „Wattideen“ zusammen auf die Bühne bringt. Damals ist auch Willi Wattwurm entstanden. Sie lässt sich eine Kulisse bauen und tritt im Kinderspielhaus auf. „Das war ein Knaller“, sagt Annette Glaschick heute. Kutter, Watt, Theater – das ist jetzt ihr Leben. Auch Radtouren in Irland leitet sie. Das ist der Lebensabschnitt, von dem sie sagt, dass sie so viel wie möglich gemacht hat. Hört sich nach Rausch an – ist aber Leidenschaft! Sieben Jahre lang.

2004 kommt sie an die Ostseeküste. Putzt Klinken für sich und Willi Wattwurm. In Ahrenshoop macht man die Tür auf. Hartmut Schmidt lässt sie auftreten. Es folgen drei Jahre lang Tourneen an die Ostsee. Das Herz schlägt immer mehr in Richtung Osten. Bis aus dem „Wattwunder“ das „Meerwunder“ wird und in Born wohnt. Hier entsteht auch ihr nächstes Programm: „Krabix und das Gold des Meeres“. Und wieder geht es los mit der „Ich- mache-ganz-viel“- Leidenschaft. Annette Glaschick schreibt ein Buch, nimmt ein Hörspiel auf (es sind bereits vier CD erschienen) und veranstaltet musikalische Buchlesungen. Im vorigen Jahr stellte sie ihr neues Programm „Willi Wattwurm fliegt in die Südsee vor. „Ich kann ihn nicht loslassen“, sagt sie über ihren Willi. Willi Wattwurm ist an der Nordsee ein Star. Überall kennt man ihn. Inzwischen tritt Annette Glaschick in ganz Deutschland auf. Im Juli hat sie einen Auftritt in Rathenow vor 400 Zuschauer. „Das ist mein Ding. Einen ganzen Saal unterhalten“ sagt sie und ihre Augen funkeln wieder. In diesem Jahr stehen noch drei Nordsee-Tourneen, 40 Kindergärtenauftritte an der Nordsee und die Auftritte auf der Halbinsel an. Natürlich kommt eine neue CD mit neuen Liedern raus. Ein neues Darßprogramm hatte in diesem Sommer Premiere. Der Watttwurm wird die Ostsee wohl bald lieben lernen!!

Und wann ist Zeit, dass das Leben auf sie regnet und sie nichts tut? Ein Traum, ein Wunsch. Doch träumen darf doch gestattet sein – zwischendurch.

Info: www.meerwunder de