Asta Rutzke

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Asta Rutzke

Die Tür geht auf und eine Frau betritt das Textilatelier in Ravenhorst. Der Kunstprozess beginnt. Es beginnt eine Symbiose zwischen der Kundin und der Textildesignerin. Die Kundin beschreibt das Kleid ihrer Wünsche – Asta Rutzke visualisiert es. Kundin und Kleid verschmelzen in den Augen der Textilgestalterin. Das Endprodukt wird sichtbar. Das Kleid in Form, Farben, Stoffen und Accessoires wird immer klarer. Bis es passt. Und noch ist nichts genäht, nichts geschnitten, nichts angepasst.

Ist das Nähen von Kleidern Kunst?

„Handgefertigte Mode ist definitiv eine Art von Kunst. Mode besitzt heute nur noch Konsumcharakter, aber Mode als Kunst hat eine Seele, die in handgefertigten Textilien bestehen bleibt und die Fähigkeit hat, die Menschen glücklicher zu machen“, zitiert Asta Rutzke die Künstlerin Tatjana Sheverda. „Wenn Kleidung und Frau sich finden, dann bin ich glücklich“, sagt die 40-Jährige selbst.

Das Glück musste sich Asta Rutzke schwer erarbeiten. Mit Beharrlichkeit hat sie an ihrem Weg gearbeitet, sie wollte schon immer Textilgestalterin werden. In Stralsund hat sie bei Jorinde Gustavs Handweberei gelernt. Parallel dazu entstehen erste Näharbeiten. 1993 zog sie mit ihrem Mann André Bonitz nach Ravenhorst, ein Jahr später wird gebürtige Stralsunderin selbstständige Textilgestalterin. Auf Mittelaltermärkten verkauft Asta Rutzke handgewebte Tücher, Stoffe, zeitlose feminine Frauenkleidung, Kostüme, historische Gewänder. Seit 1996 fertigt die Textildesignerin Kunstobjekte an – aus Pappmaché, Holzmasse und Baumwollgarn. Ihre Nester aus Leinengarn und Synthetikgewebe wurden unter anderem in Starkow ausgestellt. „Solche Kunstobjekte sind mir ein inneres Bedürfnis“, sagt sie.

Doch ihre Hauptarbeit bleiben die Kleider. Kleider aus Seide, Wolle, Leinen. Ein Materialmix, zeitlos. Seide und Leinen in Kombination, das zeichnen Rutzke-Kleider aus Ravenhorst aus. Die Stoffe liegen offen im Regal. Kräftige Farben und zurückhaltende Töne. „Die Stoffe springen mich an und dann weiß ich sofort, was ich draus machen kann“, sagt sie Künstlerin mit einem leisen Lächeln. Dann beginnt der Kunstprozess, auch ohne Kundin. Das war früher häufiger so. Es war schwer, bekannt zu werden. Der Weg von Ravenhorst zur Kundin. „Ich bin dann immer mehr auf Kunsthandwerkermärkte präsent gewesen. Die Leute haben mich und meine Arbeit gesehen. Mundpropaganda hat mir geholfen“, beschreibt sie den schweren Weg. Seit 2006 stellt Asta Rutzke in einer Produzentengalerie in Güstrow aus. Arbeiten von ihr sind auch im Künstlerdeck in Wieck auf dem Darß zu sehen. Hin und wieder organisiert sie mit Kolleginnen und Freunden Modenschauen. Doch die sollen authentisch bleiben. Keine Folgen von Verkaufsshows. Der schwierige Spagat der Künstler mit der Wirtschaftlichkeit. Asta Rutzke scheint ihn gemeistert zu haben. Sie hat ihren Weg gefunden, wenn er auch immer wieder erfunden werden muss. Seit 2009 ist sie Mutter von Zwillingen. Der Tag muss nun auch noch mehr organisiert und strukturiert werden. „Wenn ich Glück habe, dann kann ich den ganzen Tag in meiner Werkstatt arbeiten. Mal kann ich mir aussuchen, was ich machen möchte. Mal muss ich Auftragsarbeiten erledigen. Und wenn ich ohne Druck rumspielen kann, dann kommen mir die besten Ideen“, beschreibt sie die schönen Seiten ihres Alltages.

Jetzt, nach fast zwanzig Jahren Selbstständigkeit, geht immer öfter die Tür auf. Eine Kundin tritt ein, ein Prozess beginnt. „Ich mache aber nur, was mir entspricht. Die Chemie muss stimmen“, legt Asta Rutzke ihre Ansprüche und Grenzen fest. Dennoch und vielleicht gerade deshalb bleiben ihr viele Frauen treu. Frauen, die Lust auf Individuelles haben. Die Frauen kommen so ein- zweimal im Jahr, vielleicht auch nur alle drei Jahre. Solche Kleider verschwinden auch nicht so schnell. Sie werden von ihren Trägerinnen geliebt. „Wenn ich dann irgendwann eine Frau mit einem meiner Kleider sehe, dann habe ich ein großes Glücksgefühl. Und ich weiß auch, wie lange das Kleid schon im Besitz dieser Frau ist, beschreibt Asta Rutzke ihre Gefühle. Manchmal kommen Frauen mit Kleidern zu ihr, die einfach tot geliebt sind. Sie schaut dann, was noch zu machen ist. So ein Kleid ist ja auch gelebtes Leben. Ein kunstvolles Kleid. Ein Lieblingskleid. Ein Asta-Rutzke-Kleid.

FRANK BURGER

UNIKATE Textilatelier
Asta Rutzke
18334 Eixen

OT Ravenhorst
Gutshofstraße 4
038222/55845