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Bierhandels – Gesellschaft

Durst ist schlimmer als Heimweh, sagt der Volksmund. Was lag näher für Karl und Hedwig Brinckmann, als 1949 das Barther Anlagenrestaurant zu
eröffnen. Doch ein paar Jahre nach dem Krieg schien der Barther seinen Durst eher zu Hause gelöscht zu haben, denn das Restaurant lief nicht
gut. Drei Jahre später versuchte es Karl Brinckmann, der zusätzlich noch als Schiffskoch auf einem Hebeschiff arbeitete, in der Chausseestraße mit einem Kiosk. Doch es gibt noch etwas, was schlimmer ist als Durst und Heimweh zusammen: nichts zu trinken! Die Niederlassung der Rostocker Brauerei Mahn & Ohlerich lieferte nicht pünktlich und so nahm Horst Brinckmann die Sache selbst in die Hand. Der Barther besorgte einen Batteriefüller für zwei Flaschen und versorgte nun den eigenen Kiosk per Handarbeit mit Bier. Am 5. Mai 1954 eröffneten Hedwig und Karl Brinckmann mit ihrem Sohn Horst in der Klosterstraße ihren eigenen Getränkebetrieb. Los ging es mit einem weiteren Füller aus Thüringen, einer Zwillingsmaschine und einer Anlage zum Limonadenabfüllen. Hedwig Brinckmann führte das Unternehmen, besonders als ihr Mann Karl sich durch eine langwierige Krankheit nicht mehr in das Betriebsgeschehen einbringen konnte. Die Söhne Max, Horst und Joachim mussten mit zupacken. Max Brinckmann, der älteste Sohn, betrieb eine kleine Landwirtschaft in Groß Mohrdorf. Mit seinem Pferd und einem vom Betrieb angeschafften Rollwagen lieferte er Getränke an die Kundschaft von Prerow über Löbnitz bin hin nach Groß Kordshagen.  Horst Brinckmann, der mittlere der drei Söhne, beendete extra seine Arbeit auf der Volkswerft Stralsund und belieferte zunächst mit einem Handwagen den eigenen Kiosk und die ersten Kunden. Horst war als gelernter Schlosser dann für die Maschinen des jungen Unternehmens zuständig und arbeitete auch als Hof- und Transportarbeiter, als Kraftfahrer und Kundenbetreuer. Der jüngste Brinckmann-Sohn Joachim arbeitete 15 Jahre überwiegend als Kraftfahrer im Familienbetrieb.

Während Max und Joachim Brinckmann später aus dem Familienbetrieb ausschieden, blieb Horst bis auf eine vierjährige Unterbrechung dem
Barther Unternehmen treu und führte es ab 1967. Auch seine Frau Helga arbeitete elf Jahre im Betrieb mit.
1962 nahm der Betrieb staatliche Beteiligung auf und firmierte unter „Brinckmann KG“. 1967 wurden die heutigen Betriebsräume in der
Sundischen Straße 121 gekauft. 1968 nahm hier die Getränkefabrik die Produktion auf. Zu diesem Zeitpunkt arbeiteten 45 Beschäftigte im
Zweischicht-System an der Getränkeversorgung der Bürger der Region um Barth. 180 Kisten Bier konnten in einer Stunde abgefüllt werden, 75 000
Hektoliter Getränke verließen das Unternehmen im Jahr.

Am 17. April 1972 erfolgte die Verstaatlichung des Betriebes. Horst Brinckmann wurde vom Rat des Kreises Ribnitz-Damgarten zumBetriebsdirektor berufen und das Unternehmen wurde in Volkseigener Betrieb Getränkefabrik Barth umbenannt. Durst ist schlimmer als Heimweh. Doch was muss in Horst Brinckmann vorgegangen sein als er am 5. Mai 1986, dem 32. Gründungsjahr des Betriebes, seine Abberufung vom Direktor des Getränkekombinates Rostock erhielt? Sollte er in seinem Betrieb, den seine Familie aufgebaut hatte, als Produktionsleiter weiter machen? Nein. Statt dessen nahm er diese Position in der Molkerei Barth an. Seine Frau Helga arbeitete zunächst im VEB Obst, Gemüse und Speisekartoffel Barth und eröffnete 1989 in der Dammstraße einen Getränkeshop, den sie bis 1998 mit der tatkräftigen Unterstützung ihres Mannes führte. Mit der Wende eröffnete sich die Möglichkeit für die Familie Brinckmann wieder in ihren angestammten Familienbetrieb zurück zu kehren. Der  Reprivatisierungsantrag wurde 1990 genehmigt. Zu diesem Zeitpunkt stiegen die Kinder von Horst und Helga Brinckmann, Ralf und Detlef, in die Bierhandels-Gesellschaft mit ein. Auch Schwiegersohn Peter Kessler ist im Unternehmen tätig.  Seit 1991 wird im Unternehmen nicht mehr abgefüllt. Statt dessen sind die Brinckmänner in den Getränkegroßhandel eingestiegen. Heute ist die Bierhandels-Gesellschaft Hauptgroßhändler im Direktbezug von großen, namhaften Brauereien. Mit durchschnittlich 22 Mitarbeitern werden rund 300 Gastronomiebetriebe beliefert. Sieben moderne LKW sind täglich dafür unterwegs. Von 90 Lieferanten bezieht die Bierhandels-Gesellschaft über 800 Artikel – verschiedenste Biersorten und alkoholfreie Getränke. Wenn in und um Barth gefeiert wird, liefert Brinckmann nicht nur die Getränke, sondern auch Partygarnituren, Sonnenschirme und Ausschankwagen, ob es nun die Segel- und Hafentage sind, die Gastromeile in Zingst, die NDR-Sommertour, die Tonnenabschlagen von Born bis Lüdershagen oder die Landeskulturtage in Barth. Brinckmann bringt sich auch das Geschäft hinaus mit in die Heimat ein. Als Sponsor für Freibier oder bei den Sportvereinen. Die Bierhandes-Gesellschaft Brinckmann ist ein Stück Barther Heimat nach der man ruhig Heimweh haben sollte. Für den Durst sind die Brinckmänner zuständig.