Das besondere Gefühl auf der Bühne

Kategorie

Schlagworte

Verwandte Artikel

Das besondere Gefühl auf der Bühne

Haben Sie bei ihrem letzten Theaterbesuch zwei Glas Sekt und ein wenig Knabberzeug beim Mann an der Bar geordert?  Kam er Ihnen bekannt vor? War das etwa? Ja, richtig, das ist doch der Schauspieler, der Portos in der Musketier-Inszenierung gespielt hat, oder als Mönch in „Die Spelunke am Donnerberg“ auftrat, beides Sommerstücke im Theatergarten und den italienischen Lebemann im Winterstück „Weiberklatsch“ hat er damals ebenfalls gespielt.  Es kann aber auch sein, dass Norman Kunz den Besuchern der Barther Boddenbühne die Garderobe abnimmt oder als Inspizient hinter der Bühne den Ablauf des Stückes organisiert. Bei der Landesbühne Anklam sollte man multitaskingfähig sein, auch als Mann und besonders in Barth. Der 33-jährige Norman Kunz vereint das bestens in seiner Person.

Die Fischer vom Donnerberg 2006 mit Martin Schneider (links)

Dabei ist der in Stralsund geborene und in Greifswalds aufgewachsene Küstrower – Ende der 90-er Jahre zog seine Familie in das Dorf bei Barth – nur durch einen Zufall zum Barther Theater gekommen: Das Schachprojekt der 10. Klasse des Gymnasiums war voll besetzt. Norman wurde dem Darstellenden Spiel zugeordnet, das Piet Oltmanns, der Leiter des Jugendensembles, führte. „Die Arbeit in der Gruppe hat mir sehr viel Spaß gemacht“, blickt Norman Kunz zurück und so entschloss er sich, zum Casting des 2002-er Sommerstücks „Der Sieger von Roskilde“ zu gehen.

„Stell Dich auf die Bühne und mach mit“, sagte man ihm dort. Norman tat dies. Die „komischen Bewegungen“ bei der Tanzprobe machten ihm nichts aus.

Der Anfang war gemacht.

In den darauffolgenden Jahren füllte der Neu-Schauspieler viele kleine Rollen aus: Soldaten, Fahnenträger, Torwächter, Kutscher. Je länger er dabei war, desto größer wurden die Aufgaben.  So war Norman Kunz auch bei den Inszenierungen zum 750-jährigen Jubiläum  der Vinetastadt dabei: „Haarige Zeiten – Große Momente einer kleinen Stadt“, „Historische Ratssitzung“ und „1000 Jahre Barth“.

2006 gab Kunz in „Die Fischer vom Donnerberg“ den 1. Klabautermannmaat  und stand mit dem damaligen Schauspielschüler Martin Schneider, dem jetzigen Theaterchef,  auf der Bühne.

Weiberklatsch 2009 mit Rieke Clasen (rechts)

„Der italienische Lebemann in ‚Weiberklatsch’ 2009 hat mir am meisten Spaß gemacht“, sagt Norman Kunz. Damals spielte er intensiv mit Rieke Clasen, jetzige Schauspielschülerin im 3. Studienjahr der Zinnowitzer Theaterakademie, zusammen.  2010 bekam Norman Kunz die Titelrolle in „Titania und Oberon“. In gut 20 Stücken, Sommer wie Winter, stand er nun schon auf den Bühnenbrettern. „Es ist einfach Herzblut. Das Gefühl auf der Bühne zu stehen ist … Leidenschaft“, versucht er sein Hobby zu erklären. Um so enttäuschender muss für ihn die Besetzung  in „Die 8 Frauen“ zu Silvester 2009 gewesen sein. Keine Rolle für einen Mann! Also übernahm Norman Kunz die Regieassistenz sowie die Inspizienz und organisierte das Stück hinter der Vorstellung. „Damals ist mir bewusst geworden, was man alles im Theater noch machen kann“, erzählt er. Das war auch gut so, denn als er nach Rostock zum Studium ging, zerschnitt das Band zum Barther Theater nicht. In seinen Urlaubswochen tauchte er in den Endprobenwochen zu den Sommerstücken am Set auf. Sein Motto: „Ich bin hier. Ich kann helfen.“ Martin Schneider und Co. nahmen dieses Angebot dankend an. Norman Kunz wurde zum Ersatz-Schauspieler. Drohte ein Schauspieler auszufallen: Norman Kunz übernahm. Konnte ein Darsteller die letzten zwei Vorstellungen nicht: Norman Kunz übernahm. So ist er schon an die Rollen des Portos bei den Musketieren gekommen und auch an den Mönch in „Die Spelunke am Donnerberg“. Mal mit mehr oder weniger Drama und Spontanität.  Aber es geht ihm nicht um Bühnenpräsenz. Es geht Norman Kunz ums Helfen. „Ich bin Mädchen für alles“, gibt er zu und stellt sich hinter die Bar, in die Garderobe, er räumt auf und schmiert schon mal Brötchen für die Schauspieler.

Musketiere: König Ludwig

Seit dem 1. Dezember 2018 ist er nun auch beruflich „Mädchen für alles“.  Er hat eine Stelle bei der Landesbühne in Anklam angenommen und koordiniert im Künstlerischen Betriebs Büro (KBB) die Abläufe des Theaters, der verschiedenen Bühnen, die Einsätze der Schauspieler und des Fuhrparkes. Dazu musste er nun von Rostock, wo er in einem Call-Center arbeitete, nach Anklam ziehen. „Für Sachen die man gerne macht…“, kommt er der nächsten Frage zuvor.

Seine Einsätze als Barkeeper werden wohl weniger werden, doch zurzeit ist Norman Kunz voll im Einsatz. Als Barkeeper und Schauspieler – gleichzeitig.  Eben hat er noch Sekt verkauft – gleich steht er auf der Bühne als Sohn des Bürgermeisters im Stück des Amateurensembles  „Immer dieser Zirkus“. Er muss eben das besondere Gefühl auf der Bühne genießen.