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Das Haus an der Brücke

Zwischen zwei Verkehrsströmen, der B 105 und der Eisenbahnlinie zwischen Rostock und Stralsund, liegt das Passgehöft. Bernd Gabler wohnt hier seit 20 Jahren auf historischem Grund.

Dort, wo die B 105 zwischen Ribnitz und Damgarten über die Recknitz führt und die historische Grenze zwischen Mecklenburg und Vorpommern überquert wird, liegt das Passgehöft von Bernd Gabler. Der ehemalige Chef einer Aufzugsfirma wohnt in seinem Holzhaus auf historischem Grund. Dessen ist er sich auch durchaus bewusst und so hat er an der Fassade seines Hauses deutlich sichtbar Schilder angebracht: „Paßgehöft Erbaut 1286 – Umbau 1994″. 1286 wurde die hölzerne Zugbrücke von den Rittern von Dechow auf Pütnitz an die Stadt Ribnitz verkauft, die ab sofort am Zollhaus Brückenzoll kassierte. Auf der Brücke wurde schon damals die Grenze zwischen Mecklenburg und Pommern, das zwischenzeitlich zu Schweden und zu Preußen gehörte, überquert. Es war der günstigste Übergang von den drei in der Region. Strategisch wichtig für kriegerische Auseinandersetzungen und wichtig für den Handel zwischen Rostock und Stralsund. Hier an der Passbrücke erkämpfte 1809 Ferdinand von Schill seinen wichtigen Sieg gegen die für die Franzosen kämpfenden Mecklenburger. 1890 erlosch die Zollpflicht. Mit der Inbetriebnahme der Eisenbahn machte ein Zollhaus, das fortan als Wohnhaus genutzt wurde, keinen Sinn mehr. Außerdem war Mecklenburg der Zollunion beigetreten. All die Schmuggler wurden „ arbeitslos“.

1935 wurde die hölzerne Recknitzbrücke durch eine eiserne Hubbrücke ersetzt. Zu dieser Zeit wohnte im Brückenhaus die Fischerfamilie Schröder, die dort auch eine Gaststätte betrieb. Hier wurde auch von den Damgartenern frischer Fisch gekauft.
Als der II. Weltkrieg verloren war, wurde die elektrische Konstruktion von der Sowjetunion als Reparationsleistung abgebaut. Die Hubbrücke ist durch einen festen Bau ersetzt worden. In der DDR-Zeit wurde die Brücke immer wieder notdürftig instand gesetzt. 1992 begann endlich der Bau einer Ersatzbrücke, was damals unendliche Staus einbrachte, da von einer Autobahn noch lange nicht die Rede war. Damals wohnte Bernd Gabler mit seiner Frau Gisela bereits im Brückenhaus. Das Ehepaar hatte es 1988 von der Familie Schröder erworben. „Wir hatten in diesem Jahr gleich ein Hochwasser“, erinnert sich Bernd Gabler. „Alle sieben Jahre gibt es hier ein Frühjahrs- oder Herbsthochwasser“, erklärt Gabler, der im Zuge des Brückenneubaus das jetzige Holzhaus auf 15 Pfählen gebaut hat. Zwei weitere Partien wohnen noch zur Miete. Und wo fühlt er sich zuhause? Ribnitz oder Damgarten? „Schauen Sie, ich habe beide Wappen an das Haus anbringen lassen. Ich will es mir doch mit keinem verderben“, lacht er.