Glück gehabt!

Kategorie

Tags

Verwandte Artikel

Glück gehabt!

Für den Veranstalter:

Es ist noch einmal gut gegangen. Alle – Sportler, Betreuer, Organisatoren, Helfer und Zuschauer – waren am Sonntagabend glücklich.

Dabei hatte der Himmel am frühen Morgen, zwei Stunden vor dem Start zum Marathon, eine schauerliche Drohung geschickt: Hagelkörner klatschten auf die Straßen und Autos und Temperaturen knapp über Null Grad ließen Schlimmstes befürchten. Der Sonnabend war doch so schön verlaufen. Was für ein Moment, als bei milden Temperaturen die Teilnehmer der Nudelparty im Freien an den Tischen saßen und das Duo Piano Power Station eine Adaption von Händels Feuerwerkmusik spielte. Alle waren zufrieden mit dem Sonnabend. Die Bambini-, Kinder-, Jugend- und Familienläufe sind mit einer ansteckenden Fröhlichkeit absolviert worden und die Streckenverlegungen auf den Deich haben sich wunderbar bewährt. Die Tour führte auf dem Deich am Schilfgürtel entlang, mit Boddenblick und großartigem Wolkenpanorama. Jeder fühlte den schönen Tag. Sollte nun der 11.Darß-Marathon am Sonntag unter eisigen Temperaturen und Hagelschauern leiden? Der Morgen verhieß zwar nichts Gutes, aber eine Stunde vor Start regnete es zumindest nicht mehr. Sollte es wieder gut ausgehen? Der Darß-Marathon ist sowieso der etwas andere Lauf. Wer 15 Minuten vor dem Start des großen Events auf der Wiecker Festwiese steht, der glaubt, er habe sich in der Zeit geirrt. Während bei anderen Läufen die Zumba-Mädchen zappelnd einheizen, herrscht in Wieck gelassene Stille. Erst ein paar Meter vor dem Start hört und sieht der erstaunte Beobachter: die Sportler stehen alle schon unaufgeregt am richtigen Platz. Der Sprecher kündigt den Start an: und los! 370 Marathonis machten sich auf den Weg von Wieck über Prerow, dem Darß-Wald, Ahrenshoop und Born, um dann glücklich ins Ziel neben der Darßer-Arche zu laufen. Kurz hinter ihnen gingen die Halbmarathonis, die Walker und Nordic-Walker auf die Strecken. Hier auf dem Darß ist alles unaufgeregt. Vielleicht ist das ja auch das Erfolgsgeheimnis. Hier schreckt kein Wetter und das Wetter hat also ein Einsehen. Erst bleibt es trocken und als das Hauptfeld im Darßwald läuft, kommt die Sonne raus. Vorne an der Spitze sieht alles nach dem dritten Sieg hintereinander für den Berliner Marco Resech aus, doch auf dem Deich zwischen Althagen und Born werden die Beine schwer und die beiden Rostocker Carsten Tautorat und Jan Seemann schnappen sich den bisher Unbesiegbaren und fügen ihm so eine schmerzliche Niederlage zu. Unbesiegbar wollen auch die anderen Teilnehmer aller Läufe sein, nur auf anderer Ebene. Die Strecke gewinnt nicht, der Läufer gewinnt. Siege über sich selbst feiern, das ist das Ziel der zirka 1500 Teilnehmer, einschließlich der Sonnabend-Starter. So nutzten ganze Familien dieses Wochenende, um sich selbst eine sportliche Freude zu bereiten. Kathleen Konieczny lief mit ihren Kindern Kira und Alex bereits das zweite Mal beim Familienlauf. Christina Drawer (66) probierte es erstmals. „Ich habe extra trainiert. Es war super“, sagte sie nach dem sie die knapp fünf Kilometer lange Strecke geschafft hatte. Dann stand sie mit ihrer Familie bei der Siegerehrung stolz auf dem Strohtreppchen Nummer zwei.  Stolz auf sich war auch Annegret Büttner (66). Die gebürtige Wieckerin, die jetzt in Gera wohnt, ist alle elf Darß-Marathons bisher mitgelaufen. Ihren 25. Marathon am Sonntag schaffte sie in 4:13! Eine frohe Botschaft hatte auch Ekkehard Jungk (75) zu verkünden. Der Alt Metelner ist über Nacht Uropa geworden und widmet seinen 9. Nordic-Walking Halbmarathon seiner Urenkelin Hedda. Große Freude auf dem Festplatz. Große Freude herrschte auch deshalb, weil die Sonne sich wieder sehen ließ und die verschiedensten Laufgruppen gute Stimmung verbreiteten. Der kleinere Schneefall kurz zuvor war schnell vergessen.

Auf dem Siegerpodest erklommen fitte ältere Damen und Herren die Stohballen, die das Gut Darß zur Verfügung gestellt hatte. Carsten Tautorat versuchte sich gemeinsam mit der Damen-Marathon-Siegerin Bianca Stanienda am Bier-Humpen trinken (alkoholfrei). Moderator Torsten Erdmann und das Publikum scherzten mit dem Veranstaltungs-Fotografen und Marco Resech zeigte seinem Besieger, wie man aus dem großen Humpen Bier trinkt. Im kommenden Jahr will er es den Rostockern wieder auf der Strecke zeigen. „Ich bin heiß“, zeigte er sich kämpferisch und lachte dabei.

 

Für die Ostsee-Zeitung:

 

 

Es hat nicht geklappt. Der Berliner Marco Resech konnte beim 11. Darß-Marathon seine Siege aus dem beiden vorherigen Jahren nicht in ein Triple umwandeln. Zwei Rostocker waren an diesem Tag stärker. „Wir sind im letzten Jahr Halb-Marathon gelaufen. Doch wir meinten, Marcos Siegerzeit von 2:46 h schaffen wir auch“, so der diesjährige Sieger Carsten Tautorat vom Team City-Sport Rostock. Gemeinsam mit Jan Seemann vom selben Verein machte er sich daran, den Favoriten aus Berlin auf die Plätze zu verweisen. Doch zunächst sah es gar nicht danach aus, denn Marco Resech ging von Beginn an in Führung und baute seinen Vorsprung bis Kilometer 25 auf 1:30 min aus. „Ab Hafen Althagen wurden jedoch meine Beine schwer“, beschrieb Resech seinen Einbruch, denn die beiden Rostocker kamen auf dem Deich in Richtung Born immer näher, bis sie dann auf dem Zeltplatz in Führung gingen. Damit war die Entscheidung bei den Männern gefallen. Bei den Frauen siegte Bianca Stanienda (SVE Hiddenstorf) mit zehn Minuten Vorsprung vor Claudia Loewe.

Spannend verlief auch das Geschehen rund um die Wetterbedingungen. Noch am Morgen sorgten Schneeschauer für die schlimmsten Befürchtungen. Doch im Verlaufe des Tages kam immer mehr die Sonne zum Vorschein und vor allem die Organisatoren liefen mit einem Lächeln der Erleichterung über den Platz an der Darßer Arche in Wieck. An eine Siegerehrung im Sonnenschein hatte wirklich keiner geglaubt.

Neben dem vielen Beifall für die Sieger sorgten auch einige ungewöhnliche Aktionen für Aufsehen. So lief Yasin Lamiri von der Stolpertruppe Winsen am Sonntag bereits seinen zweiten Marathon in drei Tagen. „Als wir am Freitag ankamen, war mir langweilig. So sind mein Freund Martin Raulf und ich nachts um 23 Uhr los, um schon mal die Marathon-Strecke zu erkunden.“ Da die beiden sich auch einmal verlaufen hatten, wurden es schließlich 45 Trainingskilometer. „Für jeden Marathon, den wir laufen, spenden wir 30 Euro für einen Schulaufbau in Togo“, begründet Yasin Lamiri den spontanen Nachtlauf der beiden Laufverrückten. Sicher könne man auch so spenden, aber einen guten Grund zum Laufen zu haben, sei doch schön. Yasin Lamiri belegte beim offiziellen Lauf immerhin Platz acht.

Kaum bemerkt lief einen anderer Sieger als letzter Teilnehmer nach 6:32 h ins Ziel: Border-Colli Bruno, der bereits seinen dritten Darß-Marathon erfolgreich bestritt. Wer wie Bruno auch schon einen 75km-Lauf geschafft hat, der bekommt beim Darß-Marathon natürlich auch eine eigene Nummer. Sein Herrchen, Frank-Ulrich Etzolf aus Berlin, hat bereits 350 Marathons absolviert und organisiert den Berliner Vollmondlauf.

Doch das Laufevent ist nicht nur eine Veranstaltung für sportliche Sieger und ungewöhnliche Helden. Der Darß-Marathon ist eine Familienveranstaltung. So starteten am Sonnabend die Bambini-, Kinder-, Jugend- und Familienläufe und viele Familienmitglieder gingen am Sonntag an den Start, um eigene Ziele zu erreichen.

So konnten die Zuschauer in viele glückliche Gesichter der Marathonis, der Halb-Marathon-Läufer, der Walker und Nordic-Worker schauen. Der Darß-Marathon ist ein Volksfest mitten in der Natur. Darum kommen die Sportler aus ganz Deutschland immer gerne auf den Darß. Ein Volksfest, das auch sportlich spannend ist. Denn Marco Resech hat bereits angekündigt, dass er 2017 wieder siegen will: „Diese Niederlage lass ich nicht auf mir sitzen“, zeigte er sich kämpferisch und lachte dabei.