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Fanal zum Aufbruch in Damgarten

„Kameraden, der Augenblick ist gekommen, wo wir der Unterdrückung und Schmach des Vaterlandes rächen können… Ich fordere euch auf, mit mir auszuziehen zur Befreiung des Vaterlandes vom napoleonischen Joch.“
Ferdinand von Schill, 1809

Damgarten im Konzert der großen Geschichte! Es ist der Beginn des 19. Jahrhunderts. Die Französische Revolution von 1789 bis 1795 erschüttert das politische Europa. Kaiser Napoleon Bonaparte verwickelt mit seinem Heer ganz Europa in ein Schlachtgetümmel. 1812 steht der charismatische Franzose vor Moskau und erleidet die erste schmerzliche Niederlage. 1813 wird die Napoleonische Streitmacht in der Völkerschlacht bei Leipzig entscheidend geschlagen. Nur zwei Jahre später erfolgt das vernichtende Waterloo. Napoleon stirbt 1821 in der Verbannung auf St. Helena.

Welche Bedeutung kommt dem kleinen vorpommerschen Damgarten dabei zu? Damgarten ist der Ort, an dem der preußische Offizier Ferdinand von Schill seinen größten Sieg erringen konnte. Im April 1809 verließ Ferdinand von Schill mit einer Freischar auf eigene Faust sein Husarenregiment und rief zum Kampf gegen die Napoleonische Fremdherrschaft auf. Er sah den Zeitpunkt gekommen, um sich gemeinsam mit den Völkern Europas vom Joch der französischen Unterdrückung zu befreien. Doch Schill hatte keine Unterstützung des preußischen Königs, Siege der Österreicher gegen die Franzosen stellten sich als unwahr heraus und erwartete Volksaufstände blieben aus. Schill zog nach Norden und erreichte am 24. Mai Ribnitz. In Damgarten wartete schon eine mecklenburgische Streitmacht, die im Dienste der Franzosen stand und von Stralsund eiligst dem gegnerischen Schill entgegengeschickt war. Doch Ausrüstung, Bewaffnung und Motivation der mecklenburgischen Truppen, die innerhalb der Rheinbundtruppen kämpften, war mangelhaft. Schill versuchte, den Gegner in die Zange zu nehmen. Er schickte einen Trupp Husaren südlich bei Freudenberg über die Recknitz. Eine andere Gruppe landete über den Ribnitzer See bei Pütnitz und griff von Norden her an. Die dritte Gruppierung kroch auf die Recknitz vor und besetzte das Passhaus. Diesem Dreifachangriff konnten die Mecklenburger nicht standhalten, so dass sie sich zurückzogen. Ihnen wurde aber der Weg abgeschnitten. Doch es kam nicht zum Kampf. „Hurra, kommt zu uns, brave Deutsche“, riefen die Schill-Truppen ihren Gegnern zu, die sich verdutzt gefangen nehmen ließen und bald saßen alle bei Branntwein zusammen. Die Schlacht war geschlagen. Es siegten die Schillschen Husaren, die mit ihrem Herzen gegen Napoleon gezogen waren gegen die Mecklenburger, die innerhalb des Rheinbundes mit den Franzosen ihre Pflicht getan hatten, aber mit dem Herzen Mecklenburger blieben. Ferdinand von Schill zog einen Tag später (25. Mai 1809) nach Stralsund und wurde dort in einem Straßenkampf von den Franzosen getötet. Mit dem Kampf der Schillschen Husaren gegen die Franzosen setzten sie ein Zeichen des Widerstandes, des Mutes der Völker. Dafür steht der Name Ferdinand von Schill, der bei Damgarten seine größte Schlacht schlug. Ein wichtiger Mosaikstein im Kampf der Völker gegen Napoleon. Vorpommern und Damgarten blieb bis 1815 bei Schweden, das ebenfalls auf der siegreichen Seite gegen Napoleon stand. Auf dem Wiener Kongress 1815 wurde Vorpommern an das erstarkte Preußen gegeben. Ereignisreiche Jahre lagen hinter Damgarten. Von 1806 bis 1815 war die Stadt von Schweden, Franzosen, Dänen und Preußen beherrscht. „Mehr als 60 000 Mann fremder Truppen wie Portugiesen, Spanier, Franzosen, Italiener, Holländer, Westfalen, Hessen. Württemberger, Nassauer, Bayern, Badenser, Mecklenburger, Preußen, Polen und Dänen sind im Laufe der letzten 6 Jahre von 1806-1812 durch unsere Stadt gezogen und von der Gemeinde beköstigt worden“, schrieb der Damgartener Pastor Pieper auf. Diese Zeit war nun vorbei. Damgarten war preußisch – an der Grenze zu Mecklenburg.