Fürstliche Residenz und Hofdruckerei

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Fürstliche Residenz und Hofdruckerei

„Jaromar, von Gottes Gnaden Fürst der Rugianer, Allen die gegenwärtige Schrift sehen in Ewigkeit. Damit, das Andenken der Begebenheiten auf die Nachwelt komme, ist es nothwendig sie durch öffentliche Urkunden und unverwerfliche Zeugen zu verewigen. Deshalb tun wir kund Jedermann, dass wir unserer geliebten Stadt Barth, und allen ihren Einwohnern verkauft und verlassen haben …, frei friedlich und ungestört nach lübischem Rechte und allen Nutzungen ewig zu besitzen mit der Bedingung, dass die vorgedachten Einwohner unserer vorgedachten Stadt uns und unsern sämtlichen Nachfolgern und rechtmäßigen Descendenten oder unsern Beamten jedes Jahr zwanzig Drömt Rokken, zehn Drömt Gersten und dreißig Drömt Hafer in der Stadt allein, keineswegs aber außerhalb der Stadt endlich und stets abliefern sollen.“

Stark müssen sie gewesen sein, die deutschen Einwanderer. Für 4320 kg Roggen, 3600 kg Gerste und 10 800 kg Hafer (1 Drömt = 12 Scheffel = 30kg) im Jahr ertrotzen sich die Barther von Fürst Jaromar II. die Freiheit. Und nicht nur das: Sie rangen ihm sogar das Versprechen ab, kein Kloster „irgend eines Ordens“ zu bauen und die „neue Burg“ (Borgwall) auf eigene Kosten abzutragen. Mit Jaromar II. (1220 – 1260), von Gottes Gnaden Fürst der Rugianer, war ansonsten nicht zu spaßen. Im Kampf gegen die dänische Krone verwüstete sein Heer die Inseln Seeland, Lolland und Bornholm und er eroberte Kopenhagen. Jaromar scheint bei seinen Gegnern verhasst gewesen zu sein. 1260 wird er auf Seeland von einer Frau mit einem Dolch ermordet.
Mit einer gewissen Hartnäckigkeit erkauften sich die Barther immer mehr Land und erwarben immer mehr Rechte. 1278 gelang der Stadtforst und Planitz in den Besitz der Stadt. 1306 befreiten sich die Barther vom jährlichen Korntribut, kauften den Rittersitz Alkun und der Bürger Peter erwarb von Witzlaw III. das Recht, eine Rossmühle zu betreiben. Witzlaw III. war es auch, der 1315 das Barther Schloss erbauen ließ. Doch der Fürst hat sich dabei wohl übernommen: bereits 1317 war das Gebäude und einiges Land an einem Herrn Hinrich Scharpenberg aus Lübeck verpfändet. Mit Witzlaw III. starb 1325 der letzte slawische Fürst und die Herrschaft ging an die pommerschen Fürsten über. Herzog Bogislaw XIII. (1544 – 1606) war ein besonderer Förderer der Stadt Barth. 1570 wählte er die Stadt zu seinem Dauerwohnsitz. Er setzte auf das bestehende Schlossgebäude ein zweites Geschoss und versah es mit einem Turm. Bogislaw war eher der Wissenschaft und der Kunst zugetan und überließ seinen Brüdern die größeren politischen Geschäfte. 1582 richtete er die fürstliche Hofdruckerei („Bardi Pommeraniae officina Principis“) auf der Westseite der „Hundestraße“ (heute Hunnenstraße) ein. 1603 verließ Bogislaw XIII. die Stadt Barth. Durch den Tod vieler seiner Brüder musste der Herzog von Pommern-Barth/Neuenkamp die Geschäfte von Pommern-Stettin übernehmen. Das 17. Jahrhundert war kein gutes für viele Kommunen und auch nicht für Barth. Europa stöhnte unter dem 30-jährigen Krieg. Das Schloss zerfiel immer mehr. Bereits 1665 ist von der „gewesenen Schlosskirche“ zu lesen. 1710/11 diente das Barther Schloss dem Polenkönig Stanislaus Leszynski als Zufluchtsort in den Wirren des nordischen Krieges, der Barth und sein Schloss weiter der Zerstörung aussetzte. Als der entthronte Polenkönig samt Gefolgschaft 1711 abreiste, war vom Schloss nicht mehr viel übrig. 1726 schenkte der schwedische König Friedrich I. die Ruinen des Schlosses den Rittern von Neuvorpommern, die für ihre adligen Jungfrauen ein Stift gründen wollten. 1731 wurde eine Klosterordnung verfasst, die bis 1910 ihre Gültigkeit hatte. Zwei Jahre später erfolgte die feierliche Einweihung. 1877 wurde im Kloster eine Kleinkinderschule eingeweiht, die 1917 in die Sundische Straße zog. Im Krieg war der Platz zu eng geworden, da die Diakonissenstation auch Säuglinge aufnehmen musste. 1921 beendete die Schule aus Kindermangel ihre Tätigkeit. In der Diakonissenstation war jetzt eine Waisenhaus und ein Kinderhort untergebracht. 152 starb die letzte Priorin des Klosters Katharina von Hagenow. Sie arbeitete mit Richard Wossidlo am Plattdeutschen Wörterbuch. In der DDR diente das ehemalige Schloss der slawischen und pommerschen Fürsten als Kindergarten bzw. -krippe. Im November 1992 wurden die frisch sanierten Kindertagesstätten geschlossen. Seit gut zehn Jahren dient das Gebäude der Volkssolidarität als Betreutes Wohnen.