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Handschlag auf der Recknitzbrücke

„Wir bilden die Klammer zwischen Mecklenburg und Vorpommern“, sagt Jürgen Borbe, der Bürgermeister der Doppelstadt Ribnitz-Damgarten. Seine Stadt hat ein Alleinstellungsmerkmal: Während Ribnitz in Mecklenburg liegt, beginnt an der Recknitz Vorpommern, in dem Damgarten liegt. Ein Dreivierteljahrtausend lang verbindet diese beiden Städte eine ungeliebte Liebe miteinander. Vielleicht wäre Damgarten nie gegründet worden, wäre Ribnitz nicht erbaut. Und vielleicht hätte sich Ribnitz nicht zu einer wichtigen Stadt an der Grenze zu Mecklenburg entwickelt, wenn es Damgarten nicht gegeben hätte.

Jahrhunderte lang herrschte zwischen beiden Gemeinden Konkurrenzkampf. Streitigkeiten, Auseinandersetzungen, Kämpfe, Friedensverhandlungen und -schlüsse fanden an und auf der Passbrücke statt. Die Mecklenburger hatten es mal mit Pommern, mal mit Schweden und dann mit Preußen zu tun. Jetzt mit Vorpommern. Preußen und Pommern sowie Mecklenburg wurden nach dem II. Weltkrieg von der Landkarte getilgt. Eine Art Geschichtsaufarbeitung. Es entstand der Bezirk Rostock. Vielleicht war auch die Verwischung der historischen Grenze ein Grund, warum es zur Vereinigung beider Städte zu einer Doppelstadt kam. Denn eigentlich wollten die Damgartener nicht. Sie lehnten die Vereinigung am 13. Juni 1950 einstimmig ab. Einschließlich der 12 Genossen der SED-Fraktion. Sie lehnten die Vereinigung mit dem derzeitig stärkeren „Partner“ nicht aus der schwächeren Position ab. Die Damgartener prophezeiten ein Erstarken ihrer Stadt. Ribnitz sollte abgehängt werden. Sie vertrauten auf die Stärke ihrer Boddenwerft, die damals in Pütnitz produzierte. Der damalige Direktor der Werft Bohmbach: „Im übrigen liegt die Zukunft in wirtschaftlicher Hinsicht bei Damgarten, und in 10 bis 20 Jahren wird sich zeigen, wie recht die Stadtvertreter haben, wenn sie dem Antrag (zur Vereinigung/d.A.) nicht zustimmen.“ Eine fatale Fehleinschätzung. Wusste der Betriebsdirektor etwa nicht, dass zu diesem Zeitpunkt die Schließung der Boddenwerft beschlossene Sache war? Kam ein warnender Hinweis aus Berlin? Ein nachdrücklicher Telefonanruf? Jedenfalls teilte am 1. Juli 1950 die Ribnitzer Presse mit, dass am 5. Juli die Vereinigung beider Städte stattfinden wird. So kam es auch. Am Abend des 5. Juli trafen sich die Damgartener und Ribnitzer Stadtvertreter auf der Recknitzbrücke und reichten sich die Hände. Im Damgartener „Deutschen Haus“ stimmten die Vertreter beider Städte für die Vereinigung! Brüder, in eins nun die Hände! Damals galt noch: zwei Länder – eine Stadt. 1952 wurde die Boddenstadt Kreisstadt des Kreises Ribnitz-Damgarten. Im selben Jahr wurden die Länder abgeschafft und die Bezirke der DDR gebildet.

Mit dem Beitritt der DDR zur Bundesrepublik 1990 entstanden die Länder neu. Aus dem Bezirk Rostock wurde Mecklenburg-Vorpommern. Und wieder gab es eine Grenze, wenn auch nur imaginär. Hier Mecklenburg mit Ribnitz und da Vorpommern mit Damgarten. Es wurden auch Stimmen laut, die eine Trennung der Städte forderten. Doch mit der Neuordnung der Kreise 1994 wurde dies abgeschmettert. Ribnitz-Damgarten verlor zwar den Kreisstadtstatus, blieb im Kreis Nordvorpommern aber eine Stadt. Stört es wirklich, dass das mecklenburgische Ribnitz in Nordvorpommern liegt? Bürgermeister Borbe hat jetzt eine vereinigte Doppelstadt in einem vereinigten Doppelland und Ribnitz-Damgarten ist die Klammer! Zu den Jubiläumsfeierlichkeiten im Jahr 2008 findet in Ribnitz-Damgarten der Mecklenburg-Vorpommern- Tag statt. Respekt, Du kleine Perle am Bodden!