Helga Lettow

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Helga Lettow

„AF H. Lettow“ steht auf ihrem weißen Kittel. Nur wenige Frauen tragen noch ihren Namen auf ihrer Arbeitsbekleidung. Nur noch die, die schon von Anfang an dabei sind. Seit 14 Jahren steht Anlagenfahrerin Helga Lettow bei Eisbär Schröder in Damgarten an der Anlage 1. Sie ist verantwortlich für die Maschine, für die Schicht. Helga Lettow kontrolliert die Folien, schaut auf die Einstellungen des Freezers, achtet darauf, dass das Stangeneis richtig verpackt ist, schließt neue Tanks an die Leitungen ihrer Anlage. >Seit 14 Jahren Bandarbeit. Jeden Tag acht Stunden lang. Der fünfte Tag ist frei, dann wieder vier Tage Bandarbeit. Seit 1994. Helga Lettow ist verantwortlich für 104 000 Eis am Tag, über zwei Millionen im Monat, zirka 27 Millionen Stangeneis im Jahr. Es müssen gut 300 Millionen Stück in den 14 Jahren gewesen sein. Nur ihre Schicht, nur ihre Anlage. „Die Arbeit macht Spaß“, sagt die 47-Jährige. „Es ist ja nicht so, dass wir ständig in diesem Rhythmus arbeiten. Ab und zu komme ich auch mal an eine andere Anlage“, ergänzt die Schlemminerin. Manchmal ist es schon stressig, meint sie und lächelt dabei, wenn an der Anlage Komplikationen auftreten. Es ist Bandarbeit. Das Eis fließt nach – unaufhörlich. Da müsse sie schnell reagieren. Für die kleine, zierliche Frau eine Herausforderung, der sie gewachsen scheint. „Ich habe nur gute Frauen“, sagt ihr Chef Horst-Dieter Schröder. Helga Lettow scheut schwere Arbeit nicht. Als sie noch im Faserplattenwerk arbeitete, musste sie nach der Schicht auf einer Bauernwirtschaft ran. Als dann die Töchter kamen, konnte die junge Frau nicht mehr im Schichtdienst arbeiten, wechselte in eine Gärtnerei. Nach zehn Jahren war da Schluss. Dann eine kurze Zeit der Arbeitslosigkeit, bis sie bei Eisbär Eis in Damgarten anfing und geblieben ist. Jetzt gehört sie zur Stammbesatzung. Als eine der wenigen mit Namensschild am Kittel. Ob sie denn Eis überhaupt noch sehen könne? „Ich esse eigentlich kein Eis“, antwortet sie schmunzelnd. „Ich probiere nur ab und zu und kontrolliere Geschmack und Viskosität.“ Ob sie dennoch ein Lieblingseis hat? „Ja, das Eis aus meiner Anlage. Es ist mit Pflanzenfett hergestellt.“ Und nach der Schicht, wie müde ist man dann? „Es geht. Manchmal schmerzen die Beine und der Rücken.“ Viel Zeit zum Ausruhen ist nicht, denn zu Hause in Schlemmin wartet genug Arbeit. Die verwitwete Frau lebt mit ihrem neuen Lebenskameraden bei den Schwiegereltern, die schon beide über 80 Jahre alt sind. Haus und Grundstück sind groß. Zur Wohngemeinschaft kommen noch ein Hund, eine Katze und Hühner. Die Töchter der Anlagenfahrerin sind erwachsen, selbstständig und leben in eigenen Haushalten. Enkel sind noch nicht in Sicht. „Ich bin zufrieden, so wie es ist“, resümiert Helga Lettow, nimmt die Geschenkpackung mit Sekt und Süßigkeiten zum Frauentag vom Chef auf ihren Schoß. „Das ist von früheren Zeiten noch übrig. Zum Frauentag bekommen alle eine kleine Aufmerksamkeit“, sagt Horst-Dieter Schröder. „Wenn Herr Schröder eine Feier macht, dann freuen wir uns natürlich. Wir kommen aus dem Alltag heraus. Hin und wieder gibt es auch ein Brigade-Essen. Es ist zwar manchmal schwierig unter Frauen, aber es geht schon. Und mit den Männern komme ich gut aus.“ Eine Feier zum Frauentag gibt es dieses Jahr nicht. Das Unternehmen baut zwei neue Anlagen auf. 70 neue Mitarbeiter werden eingestellt. „Wenn alles am Laufen ist, holen wir die Feier nach“, verspricht der Chef. Am Montag kommt eine Delegation aus Südkorea. Sie interessiert sich für Eis, das schöner macht. Helga Lettow holt noch einmal tief Luft, lächelt, richtet sich ihr Haar und sagt: „Jetzt muss ich mich aber umziehen. Meine Schwiegermutter hat schon angerufen und fragt, wo ich denn bleibe.“ Bis zur nächsten Schicht hängt die Anlagenfahrerin ihren Kittel in den Spind. AF H. Lettow. Seit 14 Jahren nun schon.