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Kämpfe an der Recknitz

„Am 4. November (1712) kamen die Schweden mit 20 000 Mann herüber und fingen an zu fouragieren (Verpflegung nehmen), solchergestalt, daß an dem 3. Tag, so sie hier stunden, die Stadt, Korkwitz, Borg, Klockenhagen, Neuhoff, Petersdorf, Bartelshagen und andere Dörfer gäntzlich ausfouragiert waren und weder korn noch stroh übrigblieb. Wie nichts mehr übrig, marschierten sie nach Rostock.“
Aus dem Tagebuch des Ribnitzer Bürgermeister David Hinrichs

Ein Bollwerk gegen Mecklenburg sollte die Siedlung und spätere Stadt Damgarten sein. So hatte es sich der Stadtgründer Fürst Jaromar II. gedacht. Zwar ließ er mit seinem Jaromars-Turm eine schlagkräftige Verteidigungsanlage bauen, die auch noch durch eine Schanze gesichert war, doch Damgarten erhielt nie eine Stadtmauer. Der Ort war, wenn man von Wassergraben und Wall absieht, lediglich durch einen Plankenzaun gesichert. Wie wichtig so eine Stadtbefestigung gewesen wäre, zeigt die Geschichte der unendlich vielen Kämpfe und Streitigkeiten an der Landesgrenze zwischen Mecklenburg und Vorpommern.

1322 besiegte Heinrich II. der Löwe den Rügenfürsten Witzlaw III. und nahm den gegnerischen Fürsten gefangen. Als der Rügenfürst wenig später ohne Erben starb, löste dies den ersten Rügenschen Erbfolgestreit von 1326-28 aus. Der Brudersdorfer Frieden von 1328 hatte keinen Bestand und so stritten sich die Mecklenburger auch im zweiten und dritten Rügenschen Erbfolgekrieg. Zur letzten entscheidenden Schlacht trafen sich die Heere der beiden Fürstenhäuser am Recknitzpass. Die Mecklenburger (Albrecht II. und der Werler Fürst Johann) brachen durch einen kühnen Flankenangriff durch den Bretterzaun der Stadt Damgarten, besiegten so die Pommern und nahmen Wartislaw V. und seine Getreuen fest.

Doch nicht nur Heere und Fürsten stritten sich an der Recknitz. Letztere sorgten aber für Streit unter den Fischern. Versprachen sie doch bei den jeweiligen Stadtgründungen das alleinige Fischereirecht auf dem Bodden. Die Damgartener beschwerten sich mehrfach über die Ribnitzer Fischer, die auf dem Bodden mutmaßlich ihre Privilegien missbrauchten. Die Ritter von Dechow auf Pütnitz fischten zudem widerrechtlich in der Recknitz.

So trafen sich die Ratsherren aus Ribnitz und Damgarten mehrfach auf der Passbrücke. Man versuchte sich zu einigen. Aber es blieb bei den Versuchen. Auch die Ritter von Dechow interessierten sich nicht für die Damgartener Belange und fischten nach eigenen Gutdünken weiter. Es kam immer wieder zu heftigen Auseinandersetzungen und zeitweise soll es „gleich wie in Feindesland, wie man im Kriege zu tun pflegt“ zugegangen sein, wie man in der Ribnitzer Klosterchronik nachlesen kann. Erst 1591 kam es durch den „Malchiner Rezeß“ zu einer Einigung. Damals wurde durch die mecklenburgische und pommersche Regierung der genaue Grenzverlauf zwischen den beiden Ländern festgelegt. Auf diese Festlegung ist der heutige Grenzverlauf in Ahrenshoop zurückzuführen. Quer über den Bodden wurde die Linie bis zum Moischenstein in Langendamm gezogen. In der Recknitz galt die Flussmitte als Grenze. In den folgenden Jahrhunderten wurden Grenzverlauf und das Fischereirecht immer wieder neu verhandelt und bestätigt.
Vom 17. bis zur ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurden beide Städte, Damgarten als auch Ribnitz, von den kriegerischen Auseinandersetzungen arg in Mitleidenschaft gezogen. Besonders Damgarten litt schwer unter den verschiedensten Feldzügen. Der 30-jährige Krieg (1618-1648) stach unter all den Auseinandersetzungen besonders hervor. Als im Juli 1630 der schwedische König Gustav Adolf auf Usedom landete, wurde auch der Norden des Deutschen Reiches in den Krieg hineingezogen. Der Schwede wollte seinen evangelischen Glaubensbrüdern zur Seite stehen und ging gegen den kaiserlichen Feldherren Wallenstein in die Schlacht. Es ist mit Sicherheit anzunehmen, dass auch eine Vergrößerung des schwedischen Einflussgebietes eine ernstzunehmende Rolle bei der Motivation in den Krieg zu ziehen gespielt hat. Am 24. September 1630 zogen die Schweden erstmals in Damgarten ein. 1637 besetzten die Kaiserlichen die Stadt und ein Jahr später waren die Schweden wieder da. Mit dem Westfälischen Frieden 1648 ging Vorpommern bis 1815 nach Schweden. Durch diese Zuordnung wurde die Region in weitere Kriege hineingezogen. 1655-1660 kämpften die Schweden gegen Dänen, Polen und Brandenburger im Kaiserlichen Krieg. Im Schwedisch-brandenburgischen Krieg (1674-1679) hatten es die Schweden mit den Brandenburgern und Dänen zu tun, die ihnen schwer zu schaffen machten. Nach der Niederlage gegen den brandenburgischen Kurfürsten Friedrich Wilhelm bei Fehrberlin (1674) stellte der Dänenkönig Christian V. die sich zurückziehenden Schweden bei Damgarten und schlug sie entscheidend. Solch ein dänischer Sieg gegen die Schweden musste auf einem Gobelin festgehalten werden. Er hängt im Schloss Rosenburg bei Kopenhagen. 1678 waren die Schweden aber wieder da. Die anrückenden brandenburgischen Truppen konnten die Schweden jedoch schlagen. Bei diesem Kampf wurden Damgarten völlig zerstört. Nur drei Hütten sollen stehen geblieben sein.

Der nächste Krieg ließ nicht lange auf sich warten. Von 1700 bis 1721 tobte der Nordische Krieg zwischen Schweden auf der einen Seite und Russland, Dänemark und Brandenburg auf der anderen. Die Kämpfe wogten hin und her. Russen, Sachsen, Polen und Preußen überschwemmten und plünderten das Land, wie in einer Schrift zu lesen war, die in einer Kugel der Damgartener Kirchturmspitze gefunden wurde. Am Ende des Krieges war die schwedische Vorherrschaft über den Ostseeraum gebrochen. Preußen erhielt große Teile Vorpommerns. Das nördliche Vorpommern von Greifswald bis Damgarten blieb vorerst bei Schweden. Diese stürzten sich jedoch bald wieder in den nächsten Krieg. Im 7-jährigen Krieg (1756-63) galt es unter anderem, dem aufstrebenden Preußen unter Friedrich II. die Flügel zu stutzen. Die Schweden verbündeten sich mit Österreich und Russland. Wiederum kam es zu Auseinandersetzungen an der Recknitz. Die Schweden verloren. Dennoch blieb Damgarten weiter schwedisch. Damit war für dieses Jahrhundert der letzte Schuss getan. Erst mit Beginn des 19.Jahrhunderts rückt das „unansehnliche Örtchen“, wie es ein Ober-Konsistorialrat 1795 ausdrückte, wieder in den Mittelpunkt der Schlachtgeschehen.