KoRa-Gestalten

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Katja Koch-Randel schenkt aus einer Kanne Kaffee in Tassen mit russischem Folkloredekor ein. Hinter mir schlägt die deutsche Kuckucksuhr: 11 Uhr. „Sie sind pünktlich, wie die Kuckucksuhr“, sagt Olaf Randel und schaut mich mit seiner runden Brille etwas verschmitzt an. Ein freundlicher Mann und ein wohltuender Ausgleich zum bösen Blick von dem Herrn mit der Zigarette lässig im Mundwinkel. Am Kühlschrank klebt ein Bild von Klaus Kinski. „Die Uhr haben wir von einem Nachbarn geschenkt bekommen“, fügt der 60-jährige mit der geschorenen Glatze hinzu. Das zugezogene Künstlerehepaar hat es nicht immer leicht in Klockenhagen, einem Ortsteil von Ribnitz-Damgarten. Als sie 2006 das heruntergekommene Haus in der Mecklenburger Straße 44 gekauft hatten, fragte man sie: Abreißen oder Alt erhalten? Alt erhalten! Ost oder West? Ost! Dann wurde genickt. Katja und Olaf sind aber Künstler und somit tun sie manchmal auch Dinge, die der alteingesessene Mecklenburger nicht versteht. Da lässt sich eben Olaf Randel mit einer Krone auf dem Kopf auf der Baustelle des neuen Galerie-Gebäudes der beiden für die Zeitung fotografieren. „Galerie Größenwahn“ soll das Haus heißen, wenn es fertig ist. Im Gespräch hat der Hausherr keine Krone auf dem Kopf. Dafür schmückt ein Hut, aus dem kurzgeschnittenes, Rot gefärbtes Haar lugt, das Haupt der 46-jährigen Katja. Doch von Größenwahn ist im Umgang mit den beiden nichts zu spüren. Brav trinken wir den Kaffee aus den russischen Tassen und ich muss mir bewusst machen, dass ich hier mit zwei Ausstellungsmachern zusammensitze, die schon in den USA Expositionen auf die Beine gestellt haben. Von Magdeburg und Berlin nach Nashville in Tennessee.

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Olaf Randel in seiner Puppenwerkstatt.

 

Dabei hat das Berufsleben bei beiden ziemlich unspektakulär angefangen. Während die gebürtige Berlinerin ihr Studium als Innenarchitektin abschloss und dann erst einmal Gebäude entwarf, jobte Olaf in Magdeburg in einem Warenhaus. Das waren die Ausgangspunkte beider, deren Lebenswege unweigerlich aufeinander zuführten. Wer an Vorsehung oder an „Wie-für-einander-bestimmt“ glaubt, der sieht sich bei Katja und Olaf bestätigt. Der innere Antrieb, sich selbst zu verwirklichen, ihre Träume zu wahr zu machen, ist der Motor für beide.

Katja Koch-Randel machte sich schnell mit Messebau selbstständig, ist dann auf den Ausstellungsbau gestoßen und war begeistert von der Szenographie einer Exposition. Sie arbeitete an einer Ausstellung im Alliierten-Museum in Berlin und wusste: Das ist es, was ich machen will. Ich will Geschichten erzählen, mit dem was ich baue.

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Olaf Randel wollte schon „immer was mit Theater machen“. Eine gute Freundin sensibilisierte ihn, Theatersachen zu nähen. Olaf hatte ja noch die alte Nähmaschine seines Opas. Der erste Kontakt mit dem Puppentheater der Stadt Magdeburg, für die er auch am Bühnenbild und in der Requisite arbeitete. Die Chefin des Puppentheaters war begeistert von seiner Arbeit und „holte ihn aus dem Warenhaus raus“. Nun war er also hauptamtlich als Bühnentechniker angestellt und kümmerte sich auch um die Puppen. „Das war meine Passion!“, erinnert sich Olaf Randel. In Hradez Kralove holte sich der in Haldensleben geborene Randel das Rüstzeug als Puppenbauer und in Berlin lernte er beim Theater Zinnober die Faszination der Wunderwelt des Puppenspiels aus vollen Zügen kennen. 1990 war er wieder zurück in Magdeburg und bekam den Auftrag für eine große Puppentheater-Ausstellung. Sie wurde ein voller Erfolg und mehrmals verlängert. Seitdem folgte jährlich eine Ausstellung. „Ich kann gut aus nichts Traumwelten zaubern“, sagt der kleine Mann mit der Brille.

2001 lernte er auf einer Party in Magdeburg Katja kennen. Wieder stand eine große Ausstellung an. Er: „Du musst mitmachen!“ Klar machte sie mit und der kreative Chaot und die strukturgebende Organisatorin hatten sich gefunden. Das Team eilte von einem Erfolg zum nächsten und 2004 verschifften sie eine Wanderausstellung nach Nashville, Tennessee. Ein Jahr später, zur 1200 Jahr-Feier von Magdeburg führten beide Sammler, Hobby-Künstler und Traditionsvereine zu einer Mammutausstellung der Stadt zusammen. 2007 führten sie sich zusammen. Olaf Randel zog nach Berlin zu seiner Katja. „Ich musste auch beruflich etwas Neues machen.“ So wurde er Leiter der Requisite des Berliner Ensembles. Damals hatten sie schon das Haus in Klockenhagen gekauft. Als kreativen Rückzugsraum für den Sommer, als Alterssitz. Sie pendelten zwischen Berlin und Klockenhagen und nach und nach schlug das Pendel gen Norden aus. „Wir haben aber noch einen Koffer in Berlin“, sagt Katja und schaut sich in den Räumen ihres Hauses um. „Hier ist fast alles aus der Wohnung in Berlin. Aus der Wohnung von Rolf. Ich habe eher reduziert gewohnt. Hier stehen überall Dinge, die eine Geschichte erzählen. Das gefällt mir“, beschreibt sie ihr Wohngefühl.

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Katja Koch-Randel mit ihren Ausstellung-Entwürfen.

 

Die beiden schauten, was sich nun im Norden an Arbeit für sie ergibt. „Karls Erlebnisdorf“ in Rövershagen hatte eine Unmenge an Arbeit. Vier Jahre lang gestalteten sie Veranstaltungen und Räume. Parallel waren auch Aufträge für kleine Puppenbühnen zu erledigen. Katja pendelte viel in dieser Zeit. In der Region arbeiten beide, die sich unter KoRa-Gestalten als Team präsentieren, unter anderem auch für das Freilichtmuseum Klockenhagen, für den Ort Klockenhagen und für den Tonnenbund. Sie doziert an der Design-Akademie in Rostock. „Es ist immer mit sehr viel Arbeit, auch Überzeugungsarbeit verbunden. Es braucht sehr viel Zeit für die geistige Vorbereitung. Es muss ja auch alles stimmig sein“, erklärt Olaf. Dann zeichnet er die ersten Entwürfe – emotional. Sie übernimmt die Zeichnungen und fertigt am PC baufähige Vorlagen an. Dann kann es losgehen. Bewegung – das ist, was beide auszeichnet. Es gibt im Mecklenburger Weg 44 keinen Stillstand. Es wird zurzeit gebaut. „Galerie Größenwahn“ entsteht. Hier sollen Ausstellungen regionaler Künstler zu sehen sein, ein Café im Garten ist angedacht und ein Theaterraum wird gebaut. Olaf Randel grient: „Wir müssen größenwahnsinnig sein. Aber hier sind wir Café-Hausbesitzer, Theater-Direktor, Hausmeister und Galerist alles in einer Person“, sagt er begeistert und schaut auf seine Katja: „In zwei Personen – wir sind ja ein Team.“

Von Magdeburg und Berlin nach Nashville in Tennessee und jetzt in Klockenhagen.