Kuraufenthalt nicht nur mit Zirkus- und Ostseeluft

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Kuraufenthalt nicht nur mit Zirkus- und Ostseeluft

Die Ostseeklinik in Zingst bietet Müttern und Vätern mit ihren Kindern drei Wochen rund um ihre Gesundheit

Ein wenig aufgeregt sind die Kinder schon. Endlich wieder Zirkus! Schon einen ganzen Tag haben sie auf diesen Moment gewartet. Sie ziehen ihre Schuhe aus, legen ihre Jacken ab und betreten die Manege. Der Sport-Therapeut Markus Pollack wartet schon auf sie. Es ist 13 Uhr und er empfängt eine neue Kindergruppe im Zirkuszelt des „Circus Stramini“. „Ich  sehe schon, wenn die Kinder reinkommen, ob wir gleich mit den Übungen anfangen können oder mit ein paar Zirkusspielereien erst einmal die Energie rauslassen müssen“, sagt Markus Pollack, der im Zirkus auch als „Clown Stramini“ auftritt und in dieser Figur, gemeinsam mit seiner Frau Kathleen, auch das Maskottchen der Ostseeklinik Zingst REHASAN Betriebs GmbH darstellt. 

Der Zirkus ist das Herzstück im Gesamt-Therapiekonzept der Ostseeklinik Zingst.
Es gibt kein vergleichbares Projekt in Deutschland, das Zirkustherapie/-pädagogik so nutzt. Unter dem Sternenhimmel des Zirkuszeltes steht immer der Spaß im Vordergrund, das Ausprobieren, das Ideen-Spinnen, das Traum-Ausleben. 

Markus und Kathleen Pollack treten im Zirkus als Clowns auf.

Markus Pollack hat inzwischen mit den Kindern über die vergangene Stunde gesprochen und ihnen gesagt, wie es heute weiter geht. Die Kinder haben aufmerksam zugehört – obwohl sie vor Energie sprühen, ein wenig zappelig sind und alles jetzt gleich und sofort machen wollen. Wird es heute gelingen, auf dem Seil ein paar Schritte zu gehen, ohne runterzufallen? Bleiben die Drehteller auf der Stange oder klappt die Pyramide? Drei Wochen sind sie mit ihren Müttern oder Vätern (und manchmal auch mit beiden) in Zingst. Drei Wochen lang genießen sie den Aufenthalt an der Ostsee, nutzen verschiedene Angebote, erhalten Therapien, lernen gesund zu leben oder können sich einfach erholen. „Der Zirkus ist eine ideale Form, damit Kinder lernen, sich als Team zu beweisen, sich zu konzentrieren, gemeinsam etwas zu schaffen und Selbstbewusstsein aufzubauen. Denn am Ende dieser Zeit kommt ein Programm zur Aufführung und sie sind die Hauptpersonen“, erzählt Markus Pollack. 

Ihre Eltern haben über den Arzt und die Krankenkasse einen Kuraufenthalt verschrieben bekommen und konnten sich die Klinik aussuchen. Erschöpfung, Rückenschmerzen, Neurodermitis, Atemwegserkrankungen oder Adipositas – das sind die häufigsten Gründe, warum die Mütter oder Väter in der Ostseeklinik sind. Nicht wenige Kinder haben ähnliche Symptome.  ADHS kommt hinzu. Ostsee – das ist das Pfund, mit dem die Zingster wuchern. Die Klimatherapie gehört neben der Zirkustherapie zu den Hauptanwendungen der REHASAN Zingst.

Balancieren muss ständig geübt werden.

Während Markus Pollack mit seiner Gruppe daran arbeitet, nicht von der Riesenkugel zu fallen oder die Diabolos in Schwung zu bekommen, nutzen die kleinen Kinder die Mittagszeit, um zu ruhen, andere nehmen ihr Mittag ein oder erledigen die Schul-Hausaufgaben mit Lehrern aus Zingst. Das Programm beginnt für die Kinder nach dem Frühstück.

Schwierig: Partnerübung auf dem Seil.

Während ihre Eltern ihre eigene Programme und Therapien durchlaufen, können sie in betreuten Gruppen basteln, auf dem Spielplatz toben, das Schwimmbad nutzen, mit der Zingster Bimmelbahn unterwegs sein, am Strand spielen, an Ausflügen teilnehmen oder mit der Kunsttherapeutin tolle kleine Kunstwerke entstehen lassen. Die Klinikdirektorin Birthe Dasenbrook  könnte wirklich noch lange erzählen, um zu beschreiben, was ihre Klinik alles zu bieten hat, aber die Küche hebt sie besonders vor: „Es gibt ja bei uns eine Lehrküche. Kinder und Eltern können dort erlernen, wie man sich ein gesundes Mittag zubereitet. Aber das Mittagessen unserer Köche ist ein Traum“, schwärmt sie und schon werden leckere Gerichte aufgezählt, die man auch gerne in einem Restaurant bestellen würde. Man spürt auch den Stolz der Klinikdirektorin, wenn sie über das ärztliche Team spricht: „Wir sind sehr froh, dass wir mit Dr. Astrid Novosel-Datzer eine hervorragende ärztliche Direktorin in unserem Haus haben. Gemeinsam mit weiteren Fachärzten wird die hohe Qualität unseres Angebotes gesichert.“ Allerdings fügt sie dann noch hinzu: „Wir  benötigen im medizinischen Pflegebereich und für das Ärzteteam Verstärkung.“ Denn auch das Programm der Mütter und Väter (die jeweils eine eigene Gruppe bilden) ist anspruchsvoll und je nach Diagnose und individuellen Voraussetzungen auf Diversität ausgerichtet. Dies reicht von verschiedenen physiotherapeutischen  Anwendungen, Yoga, Nordic Walking, Wirbelsäulengymnastik, Fitnessprogrammen, Entspannungstraining wie progressive Muskelentspannung und funktionales Lauftraining bis hin zu psychologischer Betreuung und Vorträgen zu Adipositas und über Kindererziehung.

Eine Team der Reha-Begleitung kümmert sich um Fragen, Sorgen und Nöte der Mütter, Väter und Kinder. Und ja, es bleibt noch Zeit, damit die Töchter und Söhne Zeit mit ihren Eltern verbringen können. Da wird dann in der Cafeteria der Mutti  ein aufregendes Erlebnis berichtet und die erzählt dann, dass die Schmerzen im Rücken schon fast weg sind und sie jetzt auch viel mehr lachen kann. Alle zusammen haben dann Spaß bei Wochenend-Ausflügen in die Region. Wie wäre es mit einem Trip in den Vogelpark Marlow? Oder nach Stralsund ins Meeresmuseum? Könnte denn der Vati heute Nachmittag ins Zirkuszelt kommen und seine Tochter auf der Kugel festhalten? Bald ist doch die große Aufführung!

In der Cafeteria berichten die Kinder, was sie erlebt haben. Fotos: Klinik

Markus Pollack hat seine Kinder nach einer Stunde aus dem Zirkuszelt entlassen. Eben gerade noch haben sie zusammen ihren großen Einmarsch in die Manege geübt: Wenn die Musik anfängt zu spielen, der Vorhang sich öffnet und die Kinder mit klopfenden Herzen die Manege betreten. „Hat alles geklappt“, sagt er und setzt sich, bevor die nächste Gruppe kommt, die rote  Clownsnase auf, zwinkert und: „Läuft doch.“

Frank Burger