Nicole Bernard

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Nicole Bernard

Wer sich Nicole Bernard nähert, begegnet scheinbaren Widersprüchen. Am einfachsten nähert man sich der Berlinerin, die im Sommer in Ahrenshoop zu Hause ist, auf dem Weg zum Hohen Ufer. Bei gutem Wetter hat sie einen Tisch vor den Gartenzaun gestellt, darauf ihre Bücher und eine CD drapiert, Flyer und eine Kasse des Vertrauens komplettieren den kleinen Outdoor-Laden.

Vielleicht eine ehemalige Lehrerin, die sich ihre Seele poetisch vom Leib schreibt? Nein, es sind ja Kinderbücher. „Die kleine Seenadel“ von Nicole Bernard. Eine Französin? Nicht? Die 46-jährige hat 25 Jahre Flamenco getanzt. Also eine Frau mit spanischem Einschlag! Passt zur Dunkelbrünetten. Auch nicht. Nicole Bernard ist in Bremen geboren und wenn sie es deutlich machen will, hört man es auch. Ach so. „Ich habe eine norddeutsche Seele“, sagt sie über sich. Eine norddeutsche Seele tanzte 25 Jahre Flamenco – und hat fünf Kinder. „Alle sagten das geht nicht. Dann kam einer und wusste das nicht und hat es gemacht.“ Nicole Bernard hat es gemacht – das ist ihre Lebensmaxime. Und so ergibt sich aus dem scheinbar widersprüchlichen Lebenslauf eine einfache Logik.

In Bremen wächst sie in einer Kaufmannsfamilie auf. Logisch, dass sie eine Lehre als Hotelfachfrau beginnt. Die Sache mit dem „werde etwas Anständiges“. Hat so erstmal nicht geklappt. Lehre abgebrochen. Sie wollte was mit Kindern machen, doch an der Fachhochschule ist kein Platz frei, um ins Lehramt zu kommen. Also hat sie sich vor einen Spiegel gestellt. Was soll aus mir werden? Der Spiegel stand in einer Flamenco-Schule. Die große weite Welt des Tanzes tat sich auf. Das ist es. Ausdrucksstark – genau das wollte sie. Die 21-Jährige nimmt Stunden an der Schule und Privatunterricht. Als ihre Lehrerin krank wird, steht sie erstmals selbst als Lehrerin vor dem Spiegel. Der Vorhang zum Leben mit dem Tanz war aufgezogen. Sie heiratet Manfred Bernard. Ihr Mann ist seit 1994 Leiter der chirurgischen Abteilung der Klinik Sanssouci. Die Familie wächst. Logisch, sie wollte ja „was mit Kindern“.

Nicole Bernard hat eine eigene Tanzschule und tritt mit einem Flamenco-Ensemble auf. Das reicht nicht. „Ich will auf das beste Kreuzfahrtschiff!“ Das war die MS Europa. Die Bewerbung blieb zwei Jahre liegen. Dann klappte es. Vier Jahre lang folgten immer wieder Engagements.
Seit 1996 ist die Familie Bernard auch in Ahrenshoop ansässig. Es tat sich eine Gelegenheit auf und: „Wenn eine Tür aufgeht, stelle ich den Fuß rein“, sagt Nicole Bernard. Das Meer gibt ihr Inspiration. Ihre Bühnentätigkeit als Tänzerin ist Geschichte. Ihre Tanzschule hat sie verkauft. Zurzeit ist sie noch als selbstständige Lehrerin in der Tanzschule Seefeldt in Berlin tätig zweimal die Woche. Und weiter?
Irgendwas mit Kindern. Kinderbücher schreiben vielleicht? Ja. Auf einem Flohmarkt kauft sie sich ein Biologiebuch von 1952 mit kleinen Meerestieren. Dort ist auch eine kleine Seenadel abgebildet. Das ist es. Die fünffache Mutter schreibt aus Spaß. Ein Verlag druckt „Die kleine Seenadel – Jeder ist wichtig“ und Nicole Bernard setzt sich am Weg zum Hohen Ufer vor ihren Gartenzaun. „Ich verkaufe unheimlich gern“, sagt die gebürtige Bremerin und hat Freude am Kontakt mit den Leuten. Ihr Buch verkauft sich gut und eines Tages steht ein Radiomacher vor ihrem kleinen Outdoor-Laden. Eine Tür öffnete sich und die Jung-Schriftstellerin nutzte die Chance. Die kleine Seenadel ist jetzt täglich 19.05 Uhr im Radio FDZ auf Sendung „Meerestraumsand-Geschichten“ für Kinder. Für Große moderiert die Jung-Moderatorin „Lesezeit -Bücher aus der Region“ und sonntags von 8 bis 9 Uhr „Spurensucher – Ein Sonntagsspaziergang rund um den christlichen Glauben“. Man mag kaum fragen. Ist es das? Nein, Nicole Bernard lächelt und erzählt von Hörbüchern und einem dritten Buch mit den Abenteuern ihrer kleinen Seenadel – natürlich der berühmtesten Seenadel der Welt! Der Welt…

Ja, da sind noch Träume. Mit der Queen Mary 2 nach New York zum Beispiel(!). Oder, dass die kleine Seenadel die ganze Welt erobert. Und mit ihr die kleinen Botschaften der Nicole Bernard: „Jeder ist wichtig“ und „Helfen ist wirklich schön“.