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Pütnitz – Filetstück und Sorgenkind

Wer sich Ribnitz-Damgarten und seine Umgebung anschaut, stößt unweigerlich auf die Halbinsel Pütnitz. Der Stadt Ribnitz genau gegenüberliegend, am anderen Ufer des Ribnitzer Sees, liegt Pütnitz in einer idealen Lage als Ausflugs- und Tourismusziel für die Stadtbewohner – ein ideales Naherholungsgebiet. So mussten auch die Stadtväter gedacht haben, die in den 20-er Jahren des vorigen Jahrhunderts ein Strandbad auf dem Köppenberg in Pütnitz eröffneten. Vielleicht war die Zeit für Pütnitz als Ausflugsziel noch nicht reif, denn das Strandbad ging ein. Noch nicht einmal ein Jahrzehnt verging, bis das Gelände intensiv genutzt wurde. Allerdings von den Nationalsozialisten und als Fliegerhorst. 1935 wurden auf Pütnitz fünf große Hallen, Kasernen, Schulungsräume, Offizierswohnungen und Mannschaftsbaracken gebaut. Der Aufbau des Fliegerhorstes hatte vor allem in Damgarten ein Ansteigen der Einwohnerzahl von 1979 im Jahre 1933 auf 3928 im Jahr 1939 zufolge. Zahlreiche neue Wohnhäuser, Straßen und die Siedlung in der Karl-Liebknecht Straße entstanden. Die gewerbliche Wirtschaft erlebte einen Aufschwung. Der Fliegerhorst in Pütnitz wurde als Schulungs- und Ausbildungszentrum für technische Kräfte und Piloten der deutschen Luftwaffe genutzt. Bodenpersonal, Mechaniker und Piloten erhielten eine gründliche Ausbildung an Wasser- und später auch Landflugzeugen. Die Praxis der technischen Kräfte wurde in den Flugzeugwerken Bachmann und Heinkel gelehrt. Ihre Ausbildung erhielten Mechaniker und Piloten unter anderem an den Flugzeugen He 60, Do 18, Ju 52, He 111, Ju 88 oder Me 110. Viele Piloten, die in Pütnitz ausgebildet wurden, flogen später im II. Weltkrieg und mussten ihr Leben lassen. Nach Beendigung des Krieges wurde auf dem Flugplatzgelände 1948 die Boddenwerft eingerichtet.

Die friedliche Nutzung des Geländes blieb aber zunächst eine Episode. Schiffe wurden nur bis 1951 gebaut und repariert. Danach übernahm die sowjetische Armee bis 1994 das Flugplatzgelände. Bis zu 13 000 Menschen sollen auf dem Militärstützpunkt gelebt haben. Es entstand eine kleine Stadt mit diversen Läden, einem Kaufhaus und einem Möbelgeschäft. Ein Kindergarten und eine Schule kamen hinzu. Im ehemaligen Bootshafen befand sich eine Schweinezucht. In den 70-er und 80-er Jahre wurde der Flugplatz weiter ausgebaut. Wohnplattenbauten kamen hinzu. 1994 wurden die sowjetischen Truppen aus Ostdeutschland zurückgezogen und das 16. sowjetische Jagdfliegerregiment verabschiedete sich aus Pütnitz.

Die Liegenschaft wird vom Bundesvermögensamt Rostock verwaltet. Eine ganzheitliche Nutzung des Geländes konnte bis heute nicht realisiert werden.
Der Technikverein Ribnitz-Damgarten hat einen Teil des Geländes gemietet und ein „Technik-Museum“ eröffnet.

Im Jahr 2002 lud der Technikverein zum 1. Internationalen Ostblock-Fahrzeugtreffen ein. Es wurde ein voller Erfolg und ein Jahr später sahen über 5000 Gäste die 250 Fahrer mit ihren Fahrzeugen. Seitdem findet diese Veranstaltung jährlich mit wachsendem Erfolg statt.
Torsten Meier ist der Vorsitzende des Technikvereins, der seit dem 1. Mai 2004 das Technik-Museum Pütnitz betreibt. Auf dem ehemaligen russischen Militärflugplatz stellt der Verein in drei thematisch geordneten Hallen auf einer Fläche von knapp 12.000 m2 eine Vielzahl an altbekannten aber auch unbekannte Fahrzeug- und Flugtechnik des ehemaligen Ostblocks vor. Dazu gehört auch Militärtechnik. Dennoch will sich der Verein nicht als militärisch verstanden wissen.
Das Gelände wird aber auch anderweitig genutzt.

Ebenfalls jährlich finden Flughafenrennen auf der Rollbahn statt, Raver tanzten schon in den Hangars und im Herbst stiegen Drachen zu den OZ-Drachenfesten auf.
Trotz alledem: eine Gesamtlösung ist noch nicht gefunden. Wer heute durch das Gelände geht, erkennt erst das Ausmaß der ehemals genutzten Halbinsel.

Die Stadt Ribnitz-Damgarten bemüht sich um eine Lösung. Eine touristische soll es möglichst sein. Die unterschiedlichsten Vorschläge wurden unterbreitet: Errichtung von Wind- und Solaranlagen, Kureinrichtungen, ein Hobelwerk sollten entstehen. Wasserflugzeuge und Luftkissenboote wollte der Flugzeughersteller Dornier bauen. Auch ein Freizeit- und Kulturpark in Western-Tradition wurde vorgeschlagen. Dann wurde das Freizeit und Urlaubsparadies „baltic“ diskutiert. Harry Jeske, ein ehemaliger Puhdys-Gitarrist, wollte eine karibische Ferienanlage bauen.
Letztlich scheiterten alle an den hohen Investitionskosten oder orientierten sich wie Dornier woanders hin

Im Ribnitzer Rathaus hat Pütnitz eine hohe Priorität. Bürgermeister Jürgen Borbe sieht die Entwicklung der Halbinsel in engem Zusammenhang mit dem Durchstich von der Ostsee zum Bodden. Bei Dierhagen müsste die Verbindung hergestellt werden.
Wenn das gelingen würde, wäre dies der Startschuss für eine friedliche, touristische Nutzung der Halbinsel Pütnitz.