Regieassistent, Einleser und  Inspizient

Kategorie

Tags

Verwandte Artikel

Regieassistent, Einleser und Inspizient

Lara Laber windet sich. Die Gefängnispsychotherapeutin befindet sich in einer misslichen Situation. Doch der Anstaltsdirektor kennt keine Gnade. Ganz langsam zieht sich die Schlinge zu. Noch ein letztes Mal versucht die junge Dame zu entkommen. „Soll ich ihrer Frau oder ihren Kindern eine kostenlose Therapie zukommen lassen?“, versucht sie es noch einmal.  Doch eigentlich ist es keine „Sie“, die dem männlichen Widerpart bei den Proben zum Theaterstück „Im Frauenknast bei Schloss & Riegel“ gegenübersitzt: Mit dem Textbuch in der Hand liest Tobias Koralus, der Theater-Pädagoge an der Barther Bodden Bühne, die Rollen einer Schauspielerin ein. Das „Einlesen“  von Rollen, bei denen die Darsteller aus den verschiedensten Gründen nicht an den Proben teilnehmen können, ist eine der Aufgaben des gebürtigen Greifswalders, der auch als Regieassistent tätig ist. Seit 2017 gehört Tobias Koralus zum Team der Barther Boddenbühne. Sein erster öffentlicher  Auftritt, also das  „Hallo Barth, hier bin ich!“, absolvierte der 32-Jährige in einem Heringsfass während eines Auftritts im sommerlichen Theatergarten. Seitdem schlüpft er immer wieder  in kleine „Ersatzrollen“  bei den Proben zu den jeweiligen Stücken. Doch diese Einsätze sind nur ein kleiner Teil seiner Aufgaben am Barther Theater. Neben seiner Arbeit als Regieassistent ist der in Wolgast aufgewachsene Koralus auch als Inspizient tätig. Er ist für den organisatorischen Ablauf während einer Aufführung verantwortlich – sowohl im Sommer, als auch im Winter. Organisatorische Abläufe koordiniert er auch in der Barther Bodden Bühne als rechte Hand des Intendanten Martin Schneider. Dazu gehören auch Führungen durch das Haus, er steht am Einlass und könnte auch im Kartensystem aushelfen. „Neben Petra Techow und Martin Schneider obliegt es auch mir, die Theaterorganisation reibungslos ablaufen zu lassen“, so Tobias Koralus, Veranstaltungskaufmann gelernt und den Master in Theaterpädagogik  abgelegt hat. Nach verschiedenen Praktika unter anderem in Berlin und Dresden nahm er die Stelle in der Boddenstadt gerne an. „Ich kannte die agierenden Personen hier schon“, sagt er und begründet seine Wahl auch so: „Barth ist überschaubar und man kann sich ausprobieren. Im Theater steckt eine Menge Potenzial. Es gibt viele Projekte und engagierte Leute. Hier kann ich noch etwas bewegen und mitgestalten.“ Damit das auch so bleibt, ist Tobias Koralus auch an den Barther Schulen unterwegs. Er erklärt Theater und spielt mit den Jugendlichen. So macht er Lust auf die Bühne. Auch mit seinem „Spielclub“, den er seit 2018 betreut. Hier können Interessierte ab 16 Jahre mitwirken und sich schauspielerisch ausprobieren. Wie sehr seine Arbeit Früchte trägt, wird man in diesem Jahr beim Silvesterstück „Im Frauenknast bei Schloss & Riegel“ erleben können. Drei seiner Spielclub-Mimen sind in diesem Jahr erstmals beim Winterstück des Barther Amateurensembles dabei. „Die Vorbereitung solch eines Stückes ist schon sehr anstrengend, abenteuerlich und dennoch mit sehr viel Spaß verbunden“, plaudert Tobias Koralus aus dem Nähkästchen. Einige Erfahrungen hat der Theaterpädagoge ja schon aus der Produktion „Die Ahrenshooper II“ und durch sein Engagement bei einer Richtenberger Schauspielgruppe. Aber so ein Silvesterstück ist für alle eine besondere Anstrengung. Für den Probenplan ist hauptsächlich er verantwortlich. „Da gibt es vieles zu bedenken, Sperrzeiten der Schauspieler und auch neue Termine sind einzuarbeiten. Manchmal ist alles schwer zu koordinieren. Gut, dass es bissfeste Tischkanten gibt.“  Aber Probleme sind zum Lösen da. So wie im Sommer, als die Stunts der Wikinger sicher über die Bühne gebracht werden mussten. Sind alle Waffen da? Liegen die Sprungmatten richtig? Ist die Sicherheit bei den Feuereinsätzen gewährleistet? All dies fällt in sein Aufgabengebiet. Jüngst ist auch privat noch eine neue Aufgabe für Tobias Koralus hinzugekommen: die des Vaters! In der Nacht nach dem Gespräch mit dem Autor dieses Artikels haben das Ensemblemitglied Antje Möller und er Nachwuchs zu Welt gebracht! Äußerlich bleibt der Vater, Theaterpädagoge, Regieassistent, Inspizient  und „Einleser“ gelassen. Er lächelt freundlich, setzt sich auf eine Karre und lässt sich auf die Bühne schieben.  Jetzt liest er die Rolle einer Knast-Insassin ein …