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Rund um Hiddensee ’07

„Wir segeln! Um 12 Uhr ist Start. Alle wollen Regatta fahren!“, gab Ingo Brandt, Organisator der „Rund Hiddensee“, am Sonnabend bekannt. Es war entschieden. Die 17 Boote des Typs Hiddensee liefen am zweiten Tag der Regatta „Rund Hiddensee“ bei Regen aus dem Schaproder Hafen. Kaum ein Lüftchen wehte und so dümpelten die Vierteltonner um das Startschiff „Panik“ von Jörg Hebel schläfrig herum. „Nur nach Barhöft kommen“ war am Morgen immer wieder zu hören. Ein Festzelt war organisiert eine Band sollte spielen. „Nur nach Barhöft kommen“ und so entschied die Regatta-Leitung auch, nicht um Hiddensee zu fahren, sondern östlich der Insel den zweiten Etappenhafen anzulaufen. „Wir hätten am Dornbusch mit hohen Wellen zu kämpfen gehabt. Das wollten wir auf Rücksicht vor Leib und Material nicht riskieren“, so die Begründung von Ingo Brandt. Eine Entscheidung, die nicht unüblich ist. Zum sechsten Mal trafen sich die „Hiddenseer“ mit ihren zu DDR-Zeiten selbst gebauten Booten zum Klassentreffen eine Woche nach der Stralsunder Segelwoche. Immer wieder hatte die Regatta unter teilweise schlechtem Wetter zu leiden. Auch am ersten Regattatag musste auf der Steuermannsbesprechung eine Änderung bekannt gegeben werden: statt Neuendorf wurde Schaprode als Zielort ausgegeben. Der Ostwind hätte zu sehr auf die ankernden Boote gedrückt. Nach etwas mehr als zwei Stunden hatte die kleine Armada mit Booten aus Stralsund, Ribnitz-Damgarten, Rostock und Wolgast die 15 Meilen nach Schaprode bei Windstärke 6 in Böen 7 geschafft. Bis auf kleinere Materialschäden ist alles gut gegangen. Der Schaproder Hafen ist geschützt und die gute Laune wurde nur durch die Wettervoraussage getrübt: ein Gewitterfront zieht von West nach Ost. Die erreichte die Westküste Rügens am Morgen und die Regatta drohte ins Wasser zu fallen. Warten. Als dann die Entscheidung zur Weiterfahrt gefallen war, regnete es nur noch. Kein Wind. „Nur nach Barhöft kommen“. Rasmus hatte verstanden. Nach dem Flautenstart frischte der Wind auf und innerhalb von zehn Minuten blies er die Boote in Schräglage und verlangte von den Crews alles ab. Weit vor dem Feld „Brandy“ mit Ingo Brandt aus Stralsund, dann „Kalkei“ aus Rostock mit Frank Schubert.

So starteten beide auch am Freitagabend vor der Stralsunder Mole. Doch kurz vor dem Ziel wurde der Stralsunder noch abgefangen. Nun wollte es die Crew Andrea, Sohn Felix und Ingo Brandt wissen. Dreiviertel der Strecke waren geschafft, Wende an der Tonne 42 Kurs Nordwest auf Barhöft zu. Windstärke 6. Regen, Wellengang, Böen. Das Feld jagt „den Hasen“. Von hinten überholen „Kea“ (Ribnitz-Damgarten) und „Polaris“ (Wolgast) die Drittplatzierte „Feria“ (Stralsund). „Kea“ scheinen Flügel zu wachsen. Die Boddenstädter überholen „Kalkei“ und ziehen sogar an „Brandy“ vorbei, die auch noch „Kalkei“ passieren lassen muss. So auch der Zieleinlauf. Brandy hat es wieder nicht geschafft. Aber Barhöft war erreicht und der Himmel klarte auf. Freude in den Gesichtern der Männer und Frauen. Nicht in allen: Segel zerrissen, Takelagen nahmen Schaden. Segleralltag. Wind, Wetter, Schäden – aber Hauptsache alle sind gesund und die Sonne kommt einmal raus. Vielleicht am Sonntag. Doch abends wurde erst einmal gefeiert. Bei Live-Musik und vielstimmigen Chor: „Daför ist Hidden und dahinner die See“. Zwischendurch ein Dankeschön an den Starter Jörg Hebel und Trost für die „Vagabund“ aus Ribnitz-Damgarten, der ein Segel riss und bei der die Takelage repariert werden musste.

Die See lockte die Segler am Sonntagmorgen mit Sonnenschein aus den Kojen. Auf geht es zurück in die Hansestadt. Beim Start war Ingo Brandt noch im Feld, doch dann zeigte er wiederum allen das Heck seines Bootes. Wieder weit voraus. Dahinter überraschend die „Feria“ mit Hartmut Bernhardt. Von „Kea“ und „Kalkei“ weit und breit nichts zu sehen. Doch als die Silhouette Stralsunds am Horizont auftauchte, schoss „Kalkei“ von hinten nach vorne. Sollte „Brandy“ wieder abgefangen werden? Nein. Dieses Mal schaffte es die Stralsunder Crew. „Polaris“ und „Clou“ (beide Wolgast) und „Up un dal“ (Rostock) folgten. Wenn ein oder zwei dieser Boote „Kalkei“ aufhalten würde, hätte „Brandy“ den Gesamtsieg. Ingo Brandt und seine Crew konnten nur noch zusehen. Bein Zieleinlauf fehlten zehn Meter. „Kalkei“ wurde zweiter und holte sich den Gesamtsieg. Die Regatta war entschieden. „Die Hiddenseer“ liefen in den Yachthafen Dänholm Nord ein und zogen Bilanz: „Macht schon Spaß, sich mit baugleichen Fahrzeugen zu messen. Das ist hier eine Super-Veranstaltung. Wir kommen immer wieder“, so Frank Schubert, der mit seiner Crew Simone Schubert, Thomas Eggert und Jahn Melahn auch die Klassenwertung der Original Rigg gewann. Dr. Günther Bredenbeck, Skipper der „Vela“: „Es war nass und spaßig. Außen um Hiddensee rum wäre natürlich besser gewesen, aber dennoch ein Lob an Ingo Brandt. Erstaunlich, was er und seine Mitorganisatoren (u.a. Hartmut Bernhardt) auf die Beine stellen.“ Die Crew der Vela nahm zum ersten Mal mit dem Boot an der Regatta teil. Das in Stralsund liegende Schiff mit einem Leipziger Eigner wurde von einer Berliner Crew gesegelt. „Wir mussten uns erst auf dieses Boot einstellen und hatte so keine Chance“, zieht Dr. Bredenbeck persönliche Bilanz.
Dass die Gesamtbilanz der Regatta positiv ausfiel, war an Ingo Brandts entspanntem Gesicht anzusehen. Bei der Siegerehrung ließ er die drei Tage noch einmal Revue passieren. „Aber kauft mal ein wenig mehr Sonne ein“ kam aus den Reihen. „Vielleicht im nächsten Jahr. Anlässlich 35 Jahre Typ Hiddensee. Sonne und 35 Boote wünsche ich mir“, entgegnete Ingo Brandt, der sich dann doch wie ein Sieger fühlte.

Ergebnisse:

Original Rigg:

  1. „Kalkei“ Rostock
  2. „Brandy“ Stralsund
  3. „Polaris“ Wolgast

Größere Rigg:

  1. „Kea“ Ribnitz-Damgarten
  2. „Feria“ Stralsund
  3. „Tigerente“ Ribnitz-Damgarten

Sonderpreis „May-day-Cup“ (Trost-Respekt-Preis):

„Vagabund“ Ribnitz-Damgarten