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Schritte in eine neue Gesellschaft

Mit der politischen Wende von 1989 brach auch für Ribnitz-Damgarten eine neue Zeit an. Am 6. Mai 1990 wählten die damaligen DDR-Bürger erstmal demokratisch über ihre kommunalen Volksvertreter ab. Seitdem ist Jürgen Borbe Bürgermeister der Stadt Ribnitz-Damgarten. Vor ihm und seinem „Kollektiv“, wie er es heute noch selbst ausdrückt, stand eine Mammutaufgabe. Ribnitz-Damgarten musste auf die Bedingungen der Marktwirtschaft umgestellt werden. Es galt, sich auf den Beitritt der DDR auf die BRD vorzubereiten und sich den Strukturen einer neuen Gesellschaft anzupassen. Grundlage aller Tätigkeit war die Neuordnung der Verwaltung. Diese Aufgabe wurde mit der Hilfestellung der Buxtehuder Verwaltung in Angriff genommen. Im September 1990 wurde mit der Stadt Buxtehude eine Städtepartnerschaft geschlossen.

1993 wurde Ribnitz-Damgarten als Mittelzentrum zwischen den Oberzentren Rostock und Stralsund bestätigt. Dieser Status ist wichtig für das Entstehen und Halten des Gymnasiums, des Krankenhauses, wichtig für Museen, Einkaufszentren und Verkehrsanschlüssen.

In den ersten Jahren nach der Wende wurden auch in allen Bereichen Veränderungen vorgenommen. Es entstanden die Gebäudewirtschaft Ribnitz-Damgarten GmbH, die Wohnungsgenossenschaft „Am Bodden“ e.G.

Die Ver- und Entsorgungswirtschaft wurde umgestellt. So wurde 1991 die Stadtwerke Ribnitz-Damgarten GmbH gegründet. Das gesamte Gas- und Fernwärmenetz musste saniert und ausgebaut werden. Zu Beginn des Jahres 1992 entstanden die Wasser und Abwasser GmbH Boddenland und der Abwasserzweckverband Körkwitz.

Das Finanzwesen wandelte sich gründlich. Die Sparkasse hat mit der „Sparkasse Vorpommern“ einen starken Verbund geschaffen. Die Deutsche Bank nahm 1990 ihren Betrieb in Ribnitz-Damgarten auf und die Pommersche Volksbank eG hat am Markt in einem Neubau eine Filiale.

Einkaufsmöglichkeiten in und am Rande der Stadt sind genügend vorhanden. Doch immer wieder gibt es unterschiedliche Auffassungen hinsichtlich der Förderung der Geschäfte in der Innenstadt oder der Ansiedlung auf der „Grünen Wiese“. Viele Einheimische wünschen sich hingegen mehr gastronomische Einrichtungen in der Stadt.
Einen wesentlichen Anteil an der Entwicklung der Stadt haben die Neugründungen von Betrieben. Teilweise sind sie aus alten volkseigenen Betrieben hervorgegangen (Ostseeschmuck GmbH) oder völlig neu entstanden (Eisbär Eis GmbH), Gewerbegebiete rund um Ribnitz-Damgarten entstanden, Autohäuser siedelten sich an, Tankstellen, Handwerks- und Handelsbetriebe eröffneten. Die Bodden-Kliniken GmbH baute ein neues Krankenhaus. Das Finanzamt Ribnitz-Damgarten hat sein Gebäude gleich in der Nachbarschaft. Ribnitz-Damgarten hat ein Amtsgericht.

Doch nicht wenige Unternehmen, vor allem in der Bauwirtschaft, gingen nach wenigen Jahren in die Insolvenz. Ein besonders trauriges Beispiel in die Bestwood GmbH, die sich aus dem VEB Faserplattenwerk gründete. Auch viele kleine Betriebe, kleine Existenzgründungen gibt es nicht mehr. Die Arbeitslosenzahlen stiegen über Jahre hinweg Jahre kontinuierlich an. Momentan ist in diesem Bereich ein Aufatmen zu verzeichnen. Doch viele Familien müssen immer noch mit Hartz IV-Geldern auskommen. Die weitere wirtschaftliche Entwicklung ist schwer abzuschätzen.

In der Landwirtschaft wurde die Organisationsform der Landwirtschaftlichen Produktionsgesellschaft (LPG) liquidiert. Einige LPG-Bauern gingen in die Selbstständigkeit und bauten florierende Privatunternehmen auf.

Wer durch Ribnitz-Damgarten geht wird feststellen, dass sich 19 Jahre nach der Wende viel verändert hat. Mit Hilfe des Städtebauförderprogramms wurde eine große Anzahl von Gebäude und Anlagen saniert. Private Investoren richteten heruntergekommene Häuser wieder her. Die Bernsteinstadt ist eine schmucke Perle an der Ostsee geworden. Es ist noch nicht alles fertig oder so, wie sich es die Ribnitz-Damgartener wünschen. Doch bei aller berechtigten Kritik an manchen Stellen, muss das Geschaffene in der Waagschale schwerer wiegen!