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Schwierige Entwicklung

Als Damgarten 1258 das Lübische Recht zugesprochen bekam, begann die Entwicklung der Dorfsiedlung zur Stadt. Allerdings unterschied sich diese in wesentlichen Teilen von der in Stralsund oder Rostock und sogar von Ribnitz. Dies hat mehrere Gründe. Damgarten war zum Beispiel nicht wie das mecklenburgische Ribnitz auf „frischer Wurzel“ gebaut, also neben der slawischen Siedlung, sondern an deren Stelle. Ein klassischer Stadtaufbau, mit einem zentralen Markt, mit Kirche und Rathaus, von dem Straßen ausgehen und der rundum mit einer Stadtmauer befestigt wurde, ist in Damgarten aus diesem Grund nicht zu finde. Bis 1696 bestand Damgarten stattdessen aus drei Straßen: der Heerstraße (Schillstraße), der Barther Straße und der Stralsunder Straße. Die Achterstraße (Wasserstraße) war mit vier Häusern im Entstehen. Die Kirche stand zu dieser Zeit noch außerhalb der Stadt. Damgarten hatte damals den Charakter einer größeren Dorfsiedlung mit dem Gepräge einer Stadt. Ackerbau und Viehzucht spielten damals eine große Rolle. Die Stadtbauern prägten die Siedlung. Erst später entwickelte sich das Handwerk und noch später ein Bürgertum, das nicht vergleichbar war mit den Patriziern in Städten wie Lübeck oder Stralsund. Ab 1300 regierten in Damgarten zwei gewählte Bürgermeister (vorher ein fürstlicher Vogt). Die Entwicklung der Stadt wurde durch viele Faktoren behindert. Zum einen durch die Stadt Ribnitz, die die uneingeschränkten Fischereirechte auf dem Ribnitzer See innehatte und zum anderen durch die Ritter und Gutsherren aus Pütnitz, Plummendorf und Daskow. Besonders die Ritter von Dechow auf Pütnitz waren Damgarten nicht wohlgesonnen. 1286 verkauften sie der Stadt Ribnitz die Passbrücke für 70 Mark Rostocker Münze, die damit auch die Zolleinnahmen für sich verbuchen konnte. Damgarten spielte in den Überlegungen der Dechows keine Rolle. Als einen der wesentlichen Punkte für die sehr zögerliche Entwicklung Damgartens müssen die vielen Verwüstungen durch kriegerische Auseinandersetzungen an diesem strategisch wichtigen Ort betrachtet werden. Hinzu kommen Brände, Pest und Cholera, die der Stadt arg zusetzten. Aber trotz aller Widrigkeiten bauten die Bürger Damgartens ihren Ort immer wieder auf.

1695 löschte ein Stadtbrand bis auf „sechs kleine Buden“ fast die gesamte Stadt aus. Nur mit Unterstützung der damals schwedischen Regierung konnte Damgarten wieder aufgebaut werden. Hundert Jahre später standen wieder 123 Häuser mit 652 Einwohnern.

Dass auch die Damgartener selbst an der schleppenden Entwicklung Anteil hatten, lässt sich aus einem Kontrollprotokoll aus dem Jahr 1570 entnehmen. Im Juni dieses Jahres besuchten drei Beamte des pommerschen Herzogs die Stadt mit der Absicht, die Arbeit des Rates und das Verhalten der Bürger zu kontrollieren. Dieses Protokoll nannte sich „Damgartsche Visitationsabschied“. Die Stadtwirtschaft wurde als mangelhaft und regellos beschrieben, der Rat der Stadt sollte nicht übermäßig in Gastwirtschaften einkehren und so das Einkommen der Stadt durchbringen. Auch den Trinkgelagen der Handwerkerzünfte wurde Einhalt geboten. Die Fastnacht wurde ab sofort abgeschafft. Mit der Abholzung der Wälder sollte vorsichtiger umgegangen, die Juristerei strenger gehandhabt, Wege und Brücken ordentlich hergerichtet werden. Schwere Bestrafungen wurden für Wilderei gefordert. Letztlich sollten auch die Befestigungen gen Ribnitz ausgebessert werden. Als alles notiert und die fürstlichen Gesandten abgereist waren, atmeten die Stadtväter auf und begaben sich umgehend in den Stadtkeller, wo an diesem Abend der beste Rotwein des Wirtes ausgeschenkt wurde.

Doch Damgarten hatte nicht nur schwere Zeiten, es ging nicht immer nur schleppend voran. Im 19. Jahrhundert, nach den Napoleonischen Kriegen und nachdem Damgarten 1815 zu Preußen gekommen war, entwickelte sich die Stadt rasant. Von 1800 bis 1860 verdreifachte sich die Bevölkerung der kleinen Stadt auf über 2000 Einwohner. Neue Straßen mussten gebaut werden. So wurden 1824 die ersten Häuser der Neuen Straße gebaut. Die Achterstraße und die Barther Straße wurden ausgebaut. 1819 sollte das Stadtgebiet Damgartens durch den Ankauf des Gutes Plummendorf erweitert werden. Aber die preußische Regierung verweigerte dem kleinen Städtchen die Zustimmung. Stattdessen kaufte Damgarten 1821 die „innere Schanze“ – das Grundstück, auf dem einst der Jaromars-Turm stand.
Die Industrielle Revolution machte sich auch in Damgarten bemerkbar. Der Bau der Chaussee von Rostock nach Stralsund 1842-1850 brachte vor allem dem Handel Aufschwung. 1845 wurde die Gewerbefreiheit erlassen. Statt Zünfte gab es nun Innungen.

Die Deutsche Frühbürgerliche Revolution veränderte auch im kleinen vorpommerschen Städtchen die politische Struktur. 1858 erhielt die Stadt eine neue Gemeindeordnung, in der das Dreiklassenwahlrecht festgeschrieben wurde. In dieser Zeit ging es der Stadt an der Recknitz richtig gut. Als größter Arbeitgeber florierte die Dierlingsche Werft. Die Glashütte stellte jährlich 350000 Bier-, Brunnen- und Weinflaschen her und beschäftigte 30 Arbeiter. 17 Kaufleute versorgten die Bevölkerung. Die Herbergen und Gaststätten hatten volle Häuser, die Landwirtschaft boomte. In Damgarten waren eine Streichholzfabrik und eine Brauerei ansässig. Eine Bockmühle mahlte Korn und eine Ölmühle presste Öl aus. 1863 erhielt Damgarten in der Neuen Straße eine neue Schule.

Zeiten ändern sich. Die Industrielle Revolution veränderte die Wirtschaft immens. Dampfschiffe aus Eisen kamen auf. Die große Zeit der Segelschifffahrt war vorbei. 1880 stellte die Dierlingsche Werft ihre Arbeit ein. 1870 hatte schon die Zündholzfabrik geschlossen. Der Glashütte ging es schlecht. 1913 schloss auch sie ihre Pforten.

Alle Versuche, dem Niedergang der Industrie etwas entgegenzusetzen, schlugen fehl. Eine Kalkofen-Fabrik überlebte nicht lange, die Kartoffelflockenfabrik wurde erst gar nicht gebaut. Einzig der Landwirtschaft und dem Handwerk ging es noch gut. Im Jahr 1900 lebten in Damgarten nur noch 1691 Einwohner.

Mit Beginn des 20. Jahrhunderts steuerte auch Damgarten auf den I. Weltkrieg zu. 1913 wurde Dr. Anklam Bürgermeister der Stadt. Ihm verdankt Damgarten die Stadtchronik, in der auch ein Kapitel über die Zeit während des Krieges zu finden ist. Die Damgartener waren begeisterte Anhänger des deutschen Kaisers Wilhelm II. und gingen durchaus euphorisiert in den Krieg. Am 2. August 1914 wurde die Mobilmachung im Damgartener Rathaus verkündet. Erste Sorge um die Väter und Söhne kam zum Glauben an die Zukunft hinzu. Im November 1914 erreichten die ersten Flüchtlinge aus Ostpreußen die Stadt. Ein Jahr blieben sie. Aus der Kriegseuphorie wurde immer mehr Sorge und Bangen. Dr. Anklam schrieb in seiner Chronik: „Hoffnungsvolle Söhne, glücklich sorgende Familienväter sanken ins Grab in feindlicher Erde.“ Auch in der Heimat wurde die Lage immer schwieriger. Lebensmittel, Kleidung und Feuerung wurden knapper und teurer. Dennoch wurde für den Krieg gespendet. 1200 Mark brachte die „Nagelung des Eisernen Jaromar“. Im November 1918 kapitulierte das Deutsche Reich nach dem Kriegs-Eintritt der Amerikaner. 56 Damgartener waren gefallen. Nach Beendigung des Krieges schwappte die Novemberrevolution nach Damgarten über. Die Rote Fahne wehte über dem Rathaus. Die zwanziger Jahre des vorigen Jahrhunderts verliefen in Damgarten recht unspektakulär. Die Stadt schwankte zischen Aufbau und Krise, zwischen den „Goldenen 20-ern“ und bitterer Armut – so wie überall in Deutschland. 1928 wurden Pütnitz und Plummendorf eingemeindet und 1928 war auch das Jahr, in dem das Rathaus (1741 erbaut) abgebrannt ist. 1930 wurde das neue Gebäude feierlich übergeben..
Über 1931 wird berichtet, dass es bei der Bürgermeister-Wahl ein Kuriosum gegeben hat: Über 200 Bewerber sollen sich um die ausgeschriebene Stelle als Bürgermeister der Stadt Damgarten beworben haben. Und das, obwohl die Stelle nicht übermäßig bezahlt wurde. Die Stadt hatte dabei die Aufgabe, davon drei Kandidaten an das Staatsministerium als Wahlvorschlag weiter zu leiten. Das entschied dann über die Besetzung des Amtes. Nach einer Vorwahl im Damgartener Rathaus blieben drei Listen mit je drei Bewerbern übrig. Zwei erreichten die Stichwahl, die mit 6:6 unentschieden ausging. Das Los entschied dann für die SPD-Liste gegen die Liste Großmann (Schneidermeister). Aus den drei Kandidaten Appel aus Hannover, Mett aus Born und Göttling aus Hadmersleben wählte das Staatsministerium Herrn Göttling als neuen Bürgermeister aus. Er übte das Amt bis 1939 erfolgreich aus.