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Faules Fisch – sind satirische Texte…

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Köpfen oder Erschlagen?

Das Osterei ist zurzeit in aller Munde. Bald nicht nur als Gesprächsstoff, sondern als Nahrungsmitteln und zwischen den Zähnen. Zu Ostern sollte aber Zweifel angebracht sein, ob das Ei als notwendiges Nahrungsmittel zu sich genommen wird. Es wird eben gegessen, weil Ostern ist.

Das Ei in seiner Grundform, also nicht ausgepustet, angemalt, gefärbt, geritzt und versteckt, bietet uns nicht nur zu Ostern allerlei „Stoff aus dem das Leben geschrieben wird“. Das Ei ist uns im Alltag allgegenwärtig. Im Folgenden eine kleine Abhandlung über das ordinäre Alltagsei: Am frühen Morgen begegnet uns das Eis als Frühstücksei. Schon mit seiner ersten Erscheinungsform beginnt das von einer Schale umschlossene, kugelige, oft länglich-ovale Gebilde die Menschheit in mehrere Lager zu trennen. Was soll wie mit dem Corpus delikti passieren? Köpfen oder erschlagen? Soll es ein hart gekochtes oder ein weich gekochtes Frühstücksei sein? Vier, viereinhalb oder fünf Minuten kochen? Oder doch lieber Spiegel-, Setz- oder Rührei? Gerührt oder geschüttelt? Die Zubereitungsmöglichkeiten zum Mittag gehen wohl in die Tausende. Da gibt es zum Beispiel verlorene, pochierte, gefüllte oder russische Eier. Eier können gekocht, gebacken oder gebraten werden. Zum Thema Ei als Nahrungsmittel seien nur einige Stichwörter genannt: Rührei, Omelett, Spiegelei, Ochsenauge, Eierkuchen, Eierschmalz, Eierschmarren. Dies soll genügen. Viel interessanter sind die Eier, die in unserem Alltag als Sinnbilder Spuren hinterlassen haben. Wer kennt das Wort Eiertanz nicht? Nun nimmt niemand an, dass bei diesem Geschehen Eier tanzen. Vielmehr handelt es sich um ein Benehmen, welches immer um den heißen Brei herum erfolgt. Also anscheinend nicht ganz mutig ist. Man ist vorsichtig und will nichts zerbrechen.

Wer glaubte nicht schon, das Ei des Kolumbus gefunden zu haben? Kaum einer weiß aber, was das gewöhnliche Ei schlechthin mit dem berühmten Entdecker zu tun hat. Nun, dem vermeintlichen Amerika-Entdecker Christoph Kolumbus wurde nach seiner ersten Rückkehr vom „Goldland“ nicht die Ehrungen zu teil, die er sich gewünscht hätte. Viele Edelleute spielten die Entdeckung des Kolumbus herunter und fragten offen, was denn schon dabei sei, wenn man nach Westen segelt. Christoph Kolumbus konterte mit einem Ei. Die Edelleute sollten dieses Exemplar bitte ohne Hilfsmittel mit der Spitze nach oben auf den Tisch stellen. Auch nach langem Probieren gelang es niemanden. Dann nahm Kolumbus das Ei und knallte es auf den Tisch. Die Schale zerbrach an der runden Seite, aber das Ei stand mit der Spitze nach oben auf dem Tisch. Die Edelleute meinten überrascht, dass diese Lösung ganz einfach sei. Christoph Kolumbus: „Aber ich bin als einziger darauf gekommen.“ Seitdem ist das Ei des Kolumbus eine verblüffend einfache Lösung für ein scheinbar schweres Problem.

Man kann aber auch über Eier reden, die noch gar nicht da sind. Dann spricht man über ungelegte Eier. Das Gespräch zweier oder mehrerer Personen dreht sich um etwas, was noch nicht gesichert „in Sack und Tüten“ ist. Da also die Angelegenheit als Ei noch

ungelegt ist, kann es nicht in Sack und Tüten sein. Also spricht man darüber nicht.

Aber man kann sich auch auf Eiern fortbewegen. Die Person geht dann „wie auf Eiern“. Soll heißen: die Füße werden ganz behutsam aufgesetzt.

Diese Fortbewegung ist auch möglich, wenn man wie aus dem Ei gepellt aussieht. Wird das Outfit so beschrieben, dann sieht der Bezeichnete besonders adrett aus. Da die Eier in ihrer Grundform sich nicht allzu groß unterscheiden, hat der Mensch sich in seiner unendlichen Phantasie das Ei oder besser die Eier als Vergleichsform herangezogen: etwas gleicht dem einem wie ein Ei dem anderen. Meistes sind dann Zwillinge gemeint.

Am Ende dieses Diskurses über Eier freue ich mich wirklich, dass ich um den populistischen Ausruf „Wir brauchen mehr Eier“ herum gekommen bin!

P.S.: Wenn lassen Sie eigentlich in den Topf zum Eierabschrecken schauen?