Von Ringelsocken-Elfe bis zum Viehhändler Erich

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Von Ringelsocken-Elfe bis zum Viehhändler Erich

Er hat das Bolzenschussgerät mit und erledigt den todbringen Job. Viehhändler Erich ist ein grobschlächtiger Typ, einer der seine Geschäftspartner über den Tisch zieht, mit zwielichtigen Personen Kontakt hat, andere mit seinem Gewehr bedroht und schließlich im Wahn um eine Million Mark einen Bauern brutal zusammenschlägt und ihn fast erwürgt. Hinter dieser Rolle im Stück „Kohle, Moos und Mäuse“ des Barther Amateurensembles steckt eine Frau: Antje Möller. Die 26-Jährige Bartherin hat mit solchen Figuren Erfahrung. Bereits im vorigen Jahr spielte sie in „Tratsch im Treppenhaus“ Schlachtermeister Tramsen. Nun also einen Viehhändler.

Antje Möller gehört an der BartherBoddenBühne zum „Stammpersonal“. 

 

„In solche Rollen muss ich mich erst reinarbeiten. So bin ich ja nicht. Das ist aber eine interessante Aufgabe“, sagt sie. Dabei waren ihren ersten Rollen im Barther Theater alles andere als grobschlächtig und männlich. 2007 hat das Barther Theater für sein Sommerstück tanzende Elfen gesucht. Als erfahrene Klette-Tänzerin ging sie mit Freundinnen zum Casting und wurde genommen. So sah man Antje Möller am Barther Hafen im „Sommernachtstraum“ als Elfe mit Ringelsöckchen und Irokesenfrisur tanzen. Ganz so abschreckend kann es nicht gewesen sein, denn Silvester 2007/08 trat sie im Stück „Familienbande“ als Tochter von Gabriele Ulbricht auf. „Seitdem bin ich dabei und will auch nicht wieder weg“, bestätigt die Heilerziehungspflegerin. Antje Möller spielt seit über 10 Jahren fast ohne Pause in den Sommer- und Silvesterstücken mit. Im Sommer 2017 musste sie gesundheitsbedingt eine Pause einlegen. Ob sie denn nicht einmal Silvester woanders feiern möchte? „Warum?“, fragt sie dann zurück. „Soll ich dann alleine irgendwo hinfahren? Meine Freunde können ja nicht mitkommen. Die können ja Silvester auch nicht weg, weil sie am Theater sind.“

Erster Auftritt 2007 in Ringelsocken und Iro-Frisur im Sommernachtstraum als „Elfe“ (rechts).

Am meisten Spaß machen die Proben, so Antje Möller. Die seien immer lustig. Natürlich würden die Aufführungen spannend sein und so einiges gehe auch daneben. „In einem Sommerstück hat ein Darsteller eine Szene übersprungen. Da hieß es, ganz schnell von hinter den Zuschauerrängen seitlich vorbei am Publikum hinter die Bühne zum Auftrittsort zu kommen. Das war schon sportlich“, erzählt Antje Möller. Bei einem Stück habe sie sich an Kunstschnee verschluckt und bei der „Mädchenmeute“ stand sie bei einer Aufführung zu Beginn des Stückes ganz allein auf der Bühne. Die Mädchen hinter den Zuschauerrängen hatte kein Signal zum Auftritt bekommen. Es dauerte eine gefühlte Ewigkeit.

Zu den Highlights ihrer Rollen gehört die Louise in „8 Frauen“ und die Figur des „Mouchard“ in der Musketieraufführung 2016. Eine Traumrolle habe sie nicht. Sie würde männliche wie weibliche Rollen spielen. Schön wäre es, wenn sie sich ausprobieren könne. Dass könne sie auch im Ensemble von Piet Oltmanns. Im Jugendensemble werden ja nicht nur Silvester-Schwanks oder Sommerabenteuer gespielt. Stücke wie „Alice im Wunderland“, „Mädchenmeute“ oder „Der ganze Grimm“ fordere sie ganz anders. Antje Möller ist dem Theater in Barth auf verschiedenste Art verbunden. Sie steht auch mal an der Garderobe oder am Einlass. Als Klette-Trainerin ist sie für die Choreografie des tänzerischen Abschlussbildes der Silvesterstücke verantwortlich. Und dieses Mal hilft sie sogar vor dem Stück in der Maske. Da kann es eben mal vorkommen, dass sie den Schauspieler schminkt, den sie im Stück ordentlich vermöbelt. So ist es eben im Barther Theater. Und wie ist es so mit dem diesjährigen Stück? Antje Möller grinst: „Es wird den Barthern gefallen.“ Dann geht sie wieder zur Probe. „Ich brauche erst einmal einen Schnaps“, gröhlt sie als Viehhändler Erich, schnappt sich das Bolzenschussgerät und stapft von der Bühne.

Frank Burger

 

Beitragsfoto: Antje Möller als „Mourchard“ in der Musketier-Inszenierung 2016.