Sascha Oemcke

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Sascha Oemcke

Wer im Max Hünten Haus Zingst vor dem Leiter der Fotoschule Zingst steht, kann durchaus denken, er habe es mit dem Haustechniker zu tun: Der bartstoppelige Mann in T-Shirt und Jeans krabbelt gerade hinter einem Pult hervor, zieht an einem Kabel, befestigt einen Adapter und probiert den Beamer aus. Der Workshop kann beginnen. Sascha hat wieder alles in den Griff gekriegt. Sascha ist die rechte Hand von Herrn Oemcke. Sascha und Herr Oemcke sind eine Person – Sascha Oemcke ist der Leiter der Fotoschule Zingst. „Wenn ich im Anzug komme, erschrecken sich alle“, sagt der 36-Jährige. Der Mann hält nichts von Kleidungskonventionen. Dennoch ist ein ganz bestimmtes Kleidungsstück prägend für seinen beruflichen Weg geworden.

Der Fotoschul-Leiter ist gelernter Maurer. „Ich habe damals eine Ausbildung und einen Job gesucht, der es mir möglich macht, in der Region zu bleiben. Ich wollte unbedingt weiter Basketball spielen“, begründet der geborene Zingster seine damalige Entscheidung. Mitte der 90-er Jahre war er Mitglied des Basketballteams des TSV Wustrow. Die Männermannschaft wurde 1998 Landesmeister. Sascha Oemcke war derjenige auf dem Parkett, dem kein Gewühl zu gefährlich, kein Ball zu weit weg war. Wenn „Oemi“ den Ball wollte, dann bekam er ihn. Sascha Oemcke war und ist ein Kämpfer. Vielleicht konnte nur so einer den Weg vom Maurer zum Leiter der Fotoschule Zingst schaffen.
Im Jahr 2000 wechselte Sascha Oemcke von Prerow zum Zingster Bauhof. Dort arbeitete der handwerklich begabte junge Mann bis 2011. „Dann wurde mir die Jacke zu eng“, sagt er ein wenig grinsend. „Ich musste mich weiterentwickeln. Ich wollte gestalten.“ Sascha Oemcke wechselte in die Erlebniswelt Fotografie Zingst. Dort konnte man so einen wie ihn gut gebrauchen. Hier galt es, Ausstellungen aufzubauen, auch mal kreativ zu sein. Ein gestalterischer Beginn. Es war die Zeit, als das Seeheilbad Zingst sich immer mehr auf die Fotografie ausrichtete. Die ersten Umwelt-Fotofestivals zeigten einen erfolgreichen Weg auf, und mit Peter Prast hatte die Fotoschule einen Leiter, der ruhig und besonnen das fotografische Angebot der Zingster aufbaute. Der Maurer Oemcke lebte sich in die Welt der Fotografie ein, lernte wissbegierig Menschen kennen, deren Kenntnisse er aufsaugte und tauchte so immer mehr in die Materie ein, die für ihn den Weg zum kreativen Gestalten bot. Sascha Oemcke war die „gestalterische Hand“ der Fotoschule. Als der Rostocker Peter Prast 2012 aus Altersgründen seinen Rückzug als Leiter der Fotoschule bekannt gab und sich die Suche nach einem Nachfolger schwierig gestaltete, nutzte Sascha Oemcke die Gunst der Stunde. „In einem Anfall von Größenwahn bewarb ich mich im Herbst 2012 für diese Position“, so Sascha Oemcke, der aber gleich hinzufügte, dass der Größenwahn nur von außen so gesehen wurde, für ihn sei die Bewerbung logisch gewesen. „Die Jacke war wieder zu eng“, gab Oemcke zu und zuckte mit den Schultern. Es gab Gespräche unter Kollegen, die ihn zu dieser Bewerbung rieten. Es klappte. Am 1. März 2013 trat Sascha Oemcke seine neue Position an. „Ich sehe meine Aufgabe im Organisieren, Managen und Netzwerkern. Ich will Angebote schaffen und Schnittmengen zwischen Fotoschule und Industrie herstellen. Man muss über den Tellerrand hinausschauen“, doziert Sascha Oemcke über seine neue Aufgabe, mit der gleichzeitig die Leitung des Fotomarktes Zingst verbunden ist. Ist aus „Sascha“ jetzt „Herr Oemcke“ geworden? Keineswegs. Fotografen aus ganz Deutschland, Europa und sogar aus Übersee kennen ihn als Sascha, den Leiter der Fotoschule Zingst. Er „verkumpele“ sich, wurde ihm schon vorgeworfen. Doch aus der Fotoindustrie bekommt er diesbezüglich positives Feedback: „Das ist das Beste, was Dir passieren kann!“ Es laufe eben vieles über die persönliche Schiene. Das Fotofestival „horizonte zingst“ sei dazu als Netzwerkplattform hervorragend geeignet. Sascha Oemcke will nicht gefallen, er hat einen Auftrag: Programm gestalten und Synergien mit der Industrie herstellen. So war das damals beim Basketball auch: Sascha spielte nicht schön, musste er auch nicht. Er hatte einen Auftrag: den Ball vom Gegner zu erkämpfen!

Jetzt kämpft der Leiter der Fotoschule Zingst auf anderer Ebene. „Ich habe einen Sack voller Arbeit und ganz viele Ideen. Probleme sind dazu da, Lösungen zu finden“, das ist sein Arbeitscredo. Gemeinsam mit seiner Mitarbeiterin Maria Fechtner und dem Azubi Karl Burger geht das kleine Team der Fotoschule diese Lösungsfindungen an. „Mit Klaus Tiedge, der Kurator der Erlebniswelt Fotografie Zingst und der Grafikerin Stefanie Schiller habe ich Mitstreiter, von denen ich lernen kann und mit Jens Redeker, Martin Dankert und Daniel Hammer ist prima Teamarbeit möglich“, berichtet Sascha Oemcke. Das Beste, was er in der Fotoschule erlebt hat? Die gerade fertiggestellte Planung der Foto-Convention im März 2016! Es sei schön, etwas „geboren“ zu haben. Die alltägliche Zusammenarbeit mit Fotografen-Koryphäen nimmt der Zingster gelassen. Das seien schon besondere Menschen mit Strahlkraft, aber er gehe mit ihnen ganz normal um. Die nehmen es dankbar an. Auch so einen Zingster Besonderheit: Hier an der Ostsee ist man ganz familiär. Das genießt auch der weltbekannte Porträt-Fotograf Walter Schels, der jährlich seine Kenntnisse in der Fotoschule Zingst weitergibt. „Die Begegnung mit Walter Schels hat mich schon nachhaltig beeindruckt“, gesteht Sascha Oemcke, der immer mal gerne über den Tellerrand schaut, die Dinge von einer anderer Seite betrachtet. „Im Frühjahr gehe ich seit zwei Jahren Heilfasten in Prerow. Da habe ich mal nichts mit Fotografie zu tun. Da lerne ich auch mal andere Menschen kennen, Ärzte, Rechtsanwälte, viele interessante Personen“, so Oemcke. Mit dieser Einstellung kann man dann auch verstehen, wenn der ehemalige Maurer sagt: „Ich bin jetzt nicht nur Hand, sondern auch Kopf.“ Und was ist jetzt mit der Jacke? Passt sie jetzt, oder wird sie wieder eng? „Die interessiert mich momentan nicht. Ich habe da so eine Idee: Wie wäre es mit einer Selfie-Safari…?“, kommt als Antwort.

Frank Burger