Wie fällt das Grün?

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Wie fällt das Grün?

Nach vier Jahren versucht Ingo Müller ein Comeback als Golfer

Ein wenig mulmig scheint die Situation Ingo Müller schon zu sein.  „Da ist nichts mehr“, gibt der 53-Jährige aus Gelbensande zu, während er sich die Schnürsenkel seiner Sportschuhe zubindet.  Vor vier Jahren hat er die Platzreife im Golf abgelegt. Danach verlor er die Sportart rund ums Einlochen „aus den Augen“. 

Heute steht ein Schnupperkurs in der Golfanlage Warnemünde an. Mit Robert Schoenen hat Ingo Müller einen jungen Golflehrer an seiner Seite. Der 23-Jährige ist trotz seines Alters ein erfahrener Golfer. „Meine Tante hat mich schon als kleinen Jungen immer auf den Golfplatz mitgenommen. Mit 13 Jahren habe ich meinen ersten Trainerschein abgelegt“,  sagt er freundlich lächelnd.  2017 schloss er seine Ausbildung als Golflehrer ab. Nachdem er von seinem ersten Job in England heimkehrte, ist er seit Februar dieses Jahres als hauptamtlicher Golflehrer  in Warnemünde tätig. „Ich stehe allen Alters- und allen Leistungsklassen als Lehrer zur Verfügung. Egal ob Kinder oder ältere Herrschaften. Einzeltraining oder, wie heute Abend, Mannschaftstraining“, informiert Robert Schoenen. Ein „Comebacker“ wie Ingo Müller sei also nichts Außergewöhnliches. 

Wie wird der Schläger richtig gehalten?

Zunächst einmal müssen Schläger organisiert werden. Kein Problem. Robert Schoenen holt sie. Aber bitte die richtigen, denn sein heutiger Schüler ist Linkshänder. 

Erwärmung mit Schläger. Der Lehrer befragt seinen Schüler nach seinen Vorkenntnissen. Dann kann es losgehen. Abschläge. Die richtige Stellung ist wichtig.  „Ansprechposition“ nennt der Golffachmann das. Hände hier, Füße so, Po raus. Wenn es nicht ein wenig wehen würde, könnte man wohl die Schweißperlen auf der Stirn des Schülers sehen. Doch Ingo Müller müht sich redlich – sein Lehrer lobt. Dann die ersten Abschläge. Nun ja, der Ball sucht sich seinen eigenen kurzen Weg. Mal rechts weg, mal links weg, mal hoppelt er geradeaus. Im Hintergrund schlägt eine Dame ihre Bälle in den weiten Himmel. Lange Blicke bis ihr Ball landet.

Das „Finish“ beherrscht Ingo Müller recht schnell.

Doch Ingo Müller lernt schnell und seine Bälle scheinen sich „einzunorden“: geradeaus mit Luftweg.  „Jetzt bitte auf das Finish achten“, setzt Robert Schoenen Akzente. Mit „Finish“ ist die Abschlussposition des Golfes nach dem Abschlag gemeint. Diese leicht verdrehte Oberköperhaltung mit dem Schläger oberhalb des Kopfes. Die Stellung, in der der Golfer seinem durch den Himmel schießenden Ball möglichst lange hinterherschaut und ein Fuß wie ein Fotomodel nur mit den Zehen auf dem Boden steht. Ingo Müller kriegt das schnell hin. Wieder lobt Robert Schoenen und motiviert seinen Schützling. Der 23-jährige Lehrer ist geduldig, erklärt ruhig.

Der 53-jährige Schüler müht sich, verbessert sich, beginnt Freude am Spiel zu bekommen.  „Jetzt gehen wir mal auf das Grün und putten“, lautet dann die Ansage. Es geht also in die Nähe des Lochs. Lehrer und Schüler werden jetzt versuchen, den Golfball in das mit einer Fahne gekennzeichnete Loch zu schlagen.  Beide hocken sich hin. Schauen in Richtung Fahne/Loch. „Wie fällt das Grün?“ Es wird gefachsimpelt über die Abschüssigkeit des Geländes. Sehr wichtig, dass der Golfer zu einer richtigen Einschätzung kommt. Und auch den Wind nicht vergessen. Ingo Müller schlägt jetzt ein wenig selbstbewusster.  Kommt ganz schnell in Lochnähe und da: eingelocht! Beide freuen sich. Robert Schoenen gibt verschiedene Aufgaben. Mal näher ans Loch, mal etwas weiter weg. Putten auf abschüssigem Gelände oder, ja – wie fällt das Grün eigentlich? 

Da rollt der Golfball auch schon mal ins Loch.

Abschlussschlag. „Ich hoffe, es hat Ihnen Spaß gemacht“, fragt der Lehrer. „Ja, ich habe wieder Lust bekommen.“ „Dann schlagen Sie ruhig noch ein paar Bälle“, schmunzelt Robert Schoenen und verabschiedet sich. Ingo Müller ist begeistert. „Ich habe ja Kollegen, die auch Golf spielen. Mit denen könnte ich auf den Platz gehen. Einfach nur so. Zum Spaß“, meint er begeistert. Eine Stunde  Golfauffrischung und der Schüler hat Freude gehabt und ist motiviert. Der junge, sehr gute Lehrer hat alles richtig gemacht und geht zurück ins Vereinshaus. Im Hintergrund schlägt sein Schüler Golfbälle in den weiten Himmel.

„Das hat mir heute richtig Spaß gemacht!“