Zum 10. Mal !

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Zum 10. Mal !

Für die OSTSEE-ZEITUNG:

Wieck – „Dass ich einmal gewinne, ist schon großartig. Aber zweimal – das ist wirklich fantastisch“, freute sich Marco Resech (Berliner TSC) im Siegerinterview, nach dem er die 10. Auflage des Darß-Marathons am gestrigen Sonntag für sich entscheiden konnte. Mit diesem Sieg verteidigte er seinen Titel aus dem Vorjahr. Doch so ganz leicht wurde es dem Triathleten dieses Mal nicht gemacht. Gleich zu Beginn setzte sich ein Quartett ab, das bis zum Kilometer 18 zusammen blieb. Als dann der erste Läufer abreißen lassen musste, sah es lange so aus, als ob das verbliebene Trio die Plätze auf dem Strohballen-Podest unter sich aus machen würde. Zu schnell, zu zügig lief es durch den Darßwald. Mit einem klaren Vorsprung bogen Marco Resech, Sebastian Kestner (Magdeburg) und Peter Melcher (Leipzig) auf den Deich in Richtung Ahrenshoop ein. Doch der bisher Fünfte, Heiner Schümann (Laufbrigade Mittelerde) hatte sich schon einen Platz nach vorne gearbeitet und lief stabil ein gleichbleibendes Tempo. Peter Melcher musste dann an der Ahrenshooper Steilküste dem hohen Tempo Tribut zollen, so dass Marco Resech nur noch mit Sebastian Kestner an der Spitze unterwegs war. Den entscheidenden Angriff setzte der Berliner bei Kilometer 32 auf dem Deich zwischen Ahrenshoop und Born. Nach einer Tempoverschärfung war das Duell zugunsten des Titelverteidigers entschieden. Nach Magenkrämpfen musste Sebastian Kestner auch noch Heiner Schümann an sich vorbeiziehen lassen, dessen geduldiger, gleichbleibender Lauf mit dem zweiten Platz belohnt wurde. „Die Jungs haben mich ganz schön gefordert“, resümierte Marco Resech. „Das war auch der Grund für meine Bestzeit von 2:46: 54 h. Im nächsten Jahr bin ich wieder dabei. Dann strebe ich, wie Michael Zabel, den dritten Sieg hintereinander an.“

Die Siegerin bei den Frauen hatte es mit ihrer Konkurrenz einfacher. Laura Michel aus Rostock gewann in 3:05:57 und hatte damit 20 Minuten Vorsprung vor der Zweitplatzierten Christine Wermann (Schwerin). Lucie Machoy belegte Platz drei.

Der Darß-Marathon hat aber nicht nur Sieger auf dem Strohballen-Podest. Es ist schon fast eine gute Tradition geworden, dass sich die knapp Tausend Läufer und Walker komplett als Sieger fühlen, denn wie soll man es anders deuten, wenn wirklich schlechtes Wetter angesagt wurde und bestes Laufwetter die Seelen der Sportler erfreute. Nicht zu kalt, nicht zu heiß und kaum Wind!

Der Darß-Marathon ist aber auch ein ganz besonderer Lauf. Es gibt nur wenige deutsche Marathon-Strecken, die mit so einer besonderen Natur, zwischen Meer und Bodden, aufwarten können und durch einen urwüchsigen Wald führen. Das ist auch der Grund, warum immer wieder Hamburger Läufer auf dem Darß starten. Obwohl am gleichen Tag der Tag der Hamburg-Marathon stattfindet. Erika Köhn kommt aus er Hansestadt und ist jedes Jahr in Wieck am Start. „Das war heute mein 10. Darß-Marathon!“, verkündigt sie stolz. Nicht viele Läufer können das nun von sich behaupten.

Der Darß-Marathon kann auch eine gute Mischung aus regionalen und internationalen Teilnehmern aufweisen. Luise Müller (21) aus Wustrow ist zum ersten Mal einen Halb-Marathon gelaufen. „Seit meinem 16. Geburtstag hatte ich mir das vorgenommen. Jetzt hat es endlich geklappt. Ich bin mit meinem Vater mitgelaufen. Es hat mir sehr geholfen“, sagt sie stolz. Das kann sie auch sein, denn mit 2:14 h belegte sie Platz zwei in ihrer Altersklasse. Roland Brand (55) aus einem Ort bei Bern ist bereits zum zweiten Mal dabei. „Was für eine fantastische Natur! Was für ein wunderbarer Lauf, der toll organisiert ist! Die Stimmung hier ist sensationell“, schwärmte der Marathoni aus der Schweiz. Aus Ravenhorst war André Bonitz (44) angereist. Er nutzte den Halb-Marathon zur Vorbereitung für den Rennsteiglauf. Mit seiner Bestzeit von 1:43 h war er sehr zufrieden. So schlossen die meisten den 10. Darß-Marathon mit einem positiven Gefühl ab: Marco Resech nahm noch einen Schluck aus dem überdimensionalen Siegerglas voller alkoholfreiem Bier. Luise Müller beginnt für das Sundschwimmer zu trainieren, André Bonitz warb für den Recknitztallauf (14. Mai) und der Schweizer Roland Brand lieh sich noch eine Fahrrad, um den Darß-Wald noch einmal zu erleben. Mehr Liebe zu dieser Natur geht nicht.

 

Für den VERANSTALTER:

Wo ist Frank Bollnow? Das ist wohl die vom Moderator Marcus Weiß am häufigsten gestellte Frage beim 10. Darß-Marathon am Sonntag in Wieck. Frank Bollnow ist noch nicht da, aber alle wissen: Der Stralsunder läuft heute seinen 100. Marathon! Für seinen Bekanntheitsgrad unter Läufern, Walkern, Betreuern und Organisatoren sorgte seine Lauftruppe aus Stralsund, die mit Rädern unterwegs auf Papp-Plakaten für die gewünschte Information sorgte. „Bolle“ hat die Startnummer 1-13 und hat im April extra noch zwei Marathons dazwischen geschoben, damit der Stralsunder seinen 100. Marathon auf dem Darß feiern kann. Frank Bollnow genießt anscheinend seinen Jubiläumslauf, denn immer wieder kommt vom Moderatorengerüst: „Wir warten noch auf Frank Bollnow.“

Die häufig nicht gestellte, aber gedachte, Frage aber war: Wie wird das Wetter? Bei den Familien-, Kinder- und Jugendläufen am Sonnabend sorgten kleine Regengüsse als Vorboten eines verregneten Sonntages für Stirnrunzeln. Was wird nur? Diese Frage stellten sich die rund 300 Läufer am Sonnabend nicht. 71 Starter gingen beim Familienlauf über 4,2 km an den Start. Den dominierte souverän Familie Seemann aus Rostock. Die Zwillinge Bjarne (9) und Aliena (9) sorgten mit ihrem Vater Jan (39) für einiges Aufsehen. Bjaene schaffte die Strecke in unglaublichen 10: 30 Minuten! Viel viel langsamen und viel viel anstrengender ging es ganz hinten zu. Frank Schlicht aus Stralsund schob nämlich laufend seine beiden Familienmitglieder Mika (4) und Jari (2) über die Strecke. Großen Respekt! Die Bambinis liefen unter großer euphorischer Anteilnahme ihrer Eltern 750 Meter um die Darßer Arche. Auch den Kindern (1,5 km) und den Jugendlichen (3,2 km) machte der leichte Regen nichts aus. Die Siegerehrungen wurden vorgezogen und alle waren froh und staunten über die schönen Medaillen. Doch was wird morgen?

Der Sonntag begann mit Sonnenschein! Erst mal nicht schlecht. Doch am Nachmittag soll es ganz schlecht werden. Der Tag begann ruhig. Bis kurz vor dem Start des Marathons herrschte eine entspannte Atmosphäre auf dem Platz vor der Arche. „Auch mal schön“, wie eine Läuferin lächelnd bemerkte. Die Trommlergruppe packte langsam ihre Trommeln aus und mit Beginn des Laufes wurde Takt geschlagen! Der Takt des Tages wurde durch perfektes Laufwetter (nicht zu heiß, nicht zu kalt, wenig Wind), einem spannenden Lauf bei den Herren-Marathonis (Sieger und Titelverteidiger Marco Resech in 2:46:54), einem klaren Sieg durch Laura Michel (3:05:11 h) bei den Marathon-Damen und vielen vielen glücklichen Gesichtern bei den Halb-Marathonis (Läufer, Walker, Nordic-Walker) unter denen sich auch Marc Fiege, der Geschäftsführer des Gutes Darß, befand. Marc Fiege war mit einer großen Gemeinschaft bei diesem Laufevent. Die Familien Fiege und Lehmitz starteten in drei Generationen beim Familienlauf. Die Brüder Marc und Hendric Fiege wollten beim Halb-Marathon unter zwei Stunden bleiben. Bei 1:53 h liefen beide zusammen ins Ziel. Bestzeit – das ist auch so ein Wort des Sonntages. Bestzeiten fielen reihenweise! Sogar beim Power Walking. Dieter Korehnke (67) aus Berlin schaffte 2:29:02 h ! Der Schnellste auf der Power-Walking-Strecke war Udo Beuster (59) aus Holzminden (2:27:34 h), der auch mit einer großen Truppe angereist war, die bei den Siegerehrungen für viel Stimmung sorgte. Grund zum Jubeln hatten dann auch endlich die Frank-Bollnow-Supporter: nach 4:22:58 h ließen sie ihren Helden hochleben. Frank Bollnow war im Ziel und nun für alle auch sichtbar! Der Stralsunder Runner hatte seinen ersten Marathon erst 2002 absolviert und bezeichnet sich selbst als Spätstarter. Frank Bollnow verbindet das Laufen mit dem Reisen. Er gehört dem „7 Continents Club“ an und hat somit auf allen Kontinenten bereits einen Marathon absolviert.   Da ist es doch eine ganz besondere Ehre, wenn er seinen 100. Marathon auf dem Darß zu absolviert.

Diese Ehre nahm sich auch die Sonne. Sie schien zwar nicht aus vollen Zügen, aber sie konnte die Regenwolken zurückhalten. Beim 10. Darß-Marathon will man ja nicht unhöflich sein. Und so sah man nach der letzten Siegerehrung viele Läufer, die zwar nicht mehr ganz so geschmeidig gehen konnten, aber ein glückliches Lächeln im Gesicht hatten. „Alles gut“, kam dann noch von einer älteren Läuferin mit einem lachenden Winken.